FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Wolfgang Münchau - Schwere Gleichgewichtsstörungen

Merken   Drucken   19.08.2010, 10:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau - Schwere Gleichgewichtsstörungen  

Die globalen Leistungsbilanzdefizite gelten als wichtigster Grund für die Finanzkrise. Der weltweite Abschwung hat sie nur vorübergehend gemindert. Sie kommen wieder - und zwar mit Macht. von Wolfgang Münchau 
In den ersten beiden Teilen der Serie ging es um Blasenbildung: jene an den Immobilienmärkten in den USA und Europa sowie jene in China, wo der Häusermarkt und die Banken vom Kollaps bedroht sind.
Die tiefe Ursache dieser Blasen und der Krise sind jedoch die globalen Ungleichgewichte.
Wie kommt man zu dieser Aussage, wenn wir es doch offensichtlich mit einer Finanzkrise zu tun haben? Die Kehrseite von Ungleichgewichten in den Warenströmen sind Ungleichgewichte in den Finanzströmen. Ein starker Leistungsbilanzüberschuss, wie ihn Deutschland erwirtschaftet, bedeutet nichts anderes, als dass ein Land mehr spart als investiert und dass es die überschüssigen Ersparnisse im Ausland anlegen muss. Es ist daher kein Wunder, dass Deutschlands Banken so stark von der Subprime-Krise in den USA betroffen sind - der Bankensektor musste das überschüssige Geld im Ausland investieren.
Ohne diese enormen Finanzströme wäre es nie zur Krise gekommen. Während die Leistungsbilanzdefizite und -überschüsse früher innerhalb einer relativ engen Bandbreite schwankten, waren kurz vor der Krise Überschüsse und Defizite von um die zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts vielerorts gang und gäbe.

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  • FTD.de, 19.08.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.08.2010 21:03:46 Uhr   Frank Grobe: Marktverzerrung durch Investmentbanken

    Das Dilemma der wenigen weltweit oligopol handelnden Investmentbanken ist äußerst fatal, diese wenigen globalen Investmentbanken mutieren seit der Zeit der politisch verordneten Trennungsaufhebnug zw. ihrem klassischen Kreditgeschäft und dem nun absichtlich undurchsichtig eingemengten Investmentbanking (mit im Volumen zigfach ausufernden Geschäften auf eigene Rechnung) und blähen erst so ihre monströsen Bilanzvolumina auf, die ohne auch nur annähernd ausreichend reales Eigenkapital gegen die Märkte mit gewaltigen und im Krisenfall fast voll ungedeckten Hebeln eingesetzt werden!

    In Wahrheit haben diese Investmentbanken wider anderweitige Beteuerungen reelle Eigenkapitalquoten von max. 1-3% (mit Bilanztricks werden daraus immer irreale 8-12%)!
    Beim schlagartigen Interbanken-Verkehrskollaps im Krisenfalle wie zuletzt bereits im Aug. 2007 sind diese Banken dann so durch Eigengeschäfte untereinander verwoben und zugleich so wenig durchs reell vorhandenes Eigenkapital abgesichert, dass sie nicht mehr abgewickelt werden können und so „systemisch“ werden!

    Investmentbanken kaufen sich immer gewaltiger mit ungeheurem, dank jahrzehntelangen staatlichen Geldmengenausweitung, rein wundervermehrtem Buchgeld der Investoren in alle Märkte ein und manipulieren diese zum Nachteil aller außer sich selbst:

    1. Der unkontrollierte CDS-Handel in Höhe von global 600 Billionen $ läuft fast ausschließlich über sie und beschert ihnen einen geldwerten unlauteren Wissensvorsprung zum Nachteil aller anderen Marktmitspieler, sie streichen dabei also nicht nur Gebühren und Provisionen, sondern bereichern sich bei diesen CDS-Wetten auf eigene Rechnung gegen eigene Kunden!

    2. sie refinanzieren direkt oder indirekt nationale und supranationale Umschuldungen, so dass, wie jüngst gezeigt, sie keine Hemmungen mehr haben nicht nur einzelne Staaten nach Belieben durch brennenden Reifen springen zu lassen, sondern sie erpressen regelrecht auch die ganze EU und USA (an sich alle, die wie EU/UK/JP/USA/u.v.m. bereits komplett überschuldet und auf ihre Refinanzierung angewiesen sind).

    3. sie manipulieren seit Jahren alle Immobilien und Rohstoffmärkte, ob Öl, Gas, Metalle, Agrarrohstoffe, kaufen sich in Lagerhäuser, Transportwege, Rohstoffhändler, Minen und selbst Märkte ein, um nur wieder vor allem auf eigene Rechnung die Märkte nur zum eigenen Vorteil zu manipulieren. Dabei setzen sie ungehemmt das so erworbene Insiderwissen bei den o.g. CDS-Wetten immer zum Nachteil Dritter (meist auch ihrer Kunden selbst) ein.

    Die FAO stellt im Juni 2010 fest, nur 2% der Rohstofftermingeschäfte enden gerade noch mit echtem Warenhandel, der Öl-Spotmarkt handelt nach Deregulierung nun die 15-fache ungeförderte Öl-Jahresfördermenge der Welt und verzehnfacht so den Ölpreis!

  • 21.08.2010 16:28:35 Uhr   Markus: Wurzel der Probleme
  • 20.08.2010 10:59:52 Uhr   Thomas Müller: @ Newcomer
  • 20.08.2010 00:07:47 Uhr   Newcomer: Amerika und das Gleichgewicht
  • 19.08.2010 12:53:27 Uhr   Robert: Gute Kolumne
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