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Merken   Drucken   14.05.2012, 16:17 Schriftgröße: AAA

Kritik an Jamie Dimon: JP-Morgan-Chef soll riskante Spekulation gedeckt haben

Nach der Fehlspekulation bei JP Morgan muss die Chefin der Investmentsparte gehen. In dem Geldhaus rumort es: Erste Investoren fordern, Vorstandschef Jamie Dimon den Vorsitz im Verwaltungsrat zu nehmen.
© Bild: 2012 AFP/MARIO TAMA
Nach der Fehlspekulation bei JP Morgan muss die Chefin der Investmentsparte gehen. In dem Geldhaus rumort es: Erste Investoren fordern, Vorstandschef Jamie Dimon den Vorsitz im Verwaltungsrat zu nehmen.

Nach dem milliardenschweren Spekulationsverlust von JP Morgan hat die Investmentchefin der Bank ihren Hut genommen. Ina Drew habe sich entschlossen, das Geldhaus nach mehr als 30 Jahren zu verlassen, teilte JP Morgan am Montag mit. Vorstandschef Jamie Dimon sagte, die 55-Jährige sei "eine klasse Partnerin" gewesen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg handelte sie in enger Abstimmung mit Dimon. Gewerkschafter bekräftigten nach dem Skandal ihre Forderung, dem bisherigen Alleinherrscher über die Bank den Vorsitz des Verwaltungsrats zu entziehen.

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Drew galt als eine der mächtigsten Frauen an der Wall Street. Als Leiterin der Investmentsparte war sie bei JP Morgan für das Chief Investment Office in London zuständig, das den Handelsverlust von 2 Mrd. Dollar einfuhr.

Drews Mitarbeiter hätten nach Dimons Berufung zum Vorstandsvorsitzenden 2005 grünes Licht für riskantere Investitionen bekommen, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Ex-Manager der Bank. Der Konzernchef habe das eigentlich für die Absicherung von Risiken zuständige Chief Investment Office nach und nach zu einer Gewinnmaschine umgemodelt. Im Jahr 2010 habe die Abteilung 5 Mrd. Dollar verdient und damit rund ein Viertel zum Nettogewinn der Bank beigesteuert.

Regel zur Begrenzung von Verlusten eingestampft

2006 heuerte Drew für die Leitung der Handelsgeschäfte in London Achilles Macris an, der nach dem Skandal ebenfalls auf der Abschussliste steht. Unter seiner Führung habe die Abteilung zunehmend in Kreditderivate auf Unternehmensanleihen und in mit Hypotheken besicherte Wertpapiere investiert, schreibt Bloomberg. Macris habe auch eine Regel abgeschafft, nach der Händler jede Position, bei der ein Verlust von mehr als 20 Mio. Dollar auflief, auflösen mussten.

Das führte dazu, dass das Chief Investment Office gewaltige Summen unter anderem auf die Entwicklung eines CDS-Index verwettete. Der CDX IG 9 bildet die Wertentwicklung von CDS-Kreditausfallderivaten zur Absicherung von Anleihen 121 führender US-Konzerne ab. Der JP-Morgan-Händler Bruno Iksil setzte nach Bloomberg-Recherchen zig Milliarden Dollar auf eine Verbesserung der Kreditwürdigkeit dieser Unternehmen. Diese Prognose erwies sich als unzutreffend.

Laut Bloomberg erhielt Dimon täglich Berichte über größere Verluste und Gewinne des Chief Investment Office. Bis Ende März sei die Entwicklung der CDS-Wette nicht eindeutig gewesen, die fraglichen Kurse hätten stark geschwankt. Ab Mitte April hätten sich dann die Verlustmeldungen gehäuft. Auf Nachfragen von Dimon habe das Team in London keine schlüssige Antwort geben können - ein Hinweis darauf, dass die Händler komplett überfordert waren.

Der wegen seiner gewaltigen CDS-Investitionen in Finanzkreisen als "Wal von London" oder "Lord Voldemort" bekannte Iksil wird JP Morgan wohl ebenfalls verlassen. Wann, sei aber noch unklar, schreibt das "Wall Street Journal". Unmittelbar bevor stehe dagegen der Abgang von Iksils direktem Vorgesetzten Javier Martin-Artajo.

Nach Informationen von Bloomberg werden möglicherweise sogar sämtliche Mitarbeiter des Chief Investment Office entlassen. In dem Londoner Büro arbeiten einige Dutzend Banker.

Doch auch für Dimon persönlich könnte der Skandal ein Nachspiel haben: Der Pensionsfonds einer großen Gewerkschaft will bei der Hauptversammlung von JP Morgan am Dienstag beantragen, dem Bankchef den Vorsitz des Verwaltungsrats zu entziehen. Bislang leitet der 56-Jährige wie viele Konzernlenker in den USA neben dem Vorstand auch das Kontrollgremium seiner Bank.

"Die Einsätze sind zu hoch, als dass wir Jamie Dimon unbeaufsichtigt lassen könnten", warnt der Pensionsfonds der Gewerkschaft AFSCME, die Angestellte im öffentlichen Dienst vertritt. Die Gewerkschaft setzte sich auch bei der US-Investmentbank Goldman Sachs  für eine Aufspaltung von Verwaltungsrats- und Vorstandsvorsitz ein, zunächst allerdings ohne Erfolg.

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