Die Schweizer Bank ist in die Gewinnzone zurückgekehrt. Trotzdem droht Bankchef Brady Dougan auf der Hauptversammlung am Freitag eine Debatte über seine Vergütung für 2011. Dem US-Amerikaner wurden die Bezüge im Vergleich zum Vorjahr bereits um gut die Hälfte auf 5,8 Mio. Franken gekürzt, im Schnitt sanken die von Credit Suisse gezahlten Boni um 41 Prozent. Angesichts eines um zwei Drittel gesunkenen Jahresgewinns findet die Pensionskassen-Stiftung Ethos diese Kürzung unzureichend.
Die Stiftung, die für 130 Pensionsfonds mit gut einer Million Versicherten spricht, empfahl den Aktionären am Dienstag eine Ablehnung des Vergütungsplans. Allerdings liegt der Stimmanteil der von Ethos vertretenen Anteilseigner unter drei Prozent. Selbst wenn der Antrag eine Mehrheit finden sollte, wäre das Abstimmungsergebnis nicht bindend. Allerdings könnte Credit Suisse nicht einfach darüber hinweggehen, wie das Beispiel Citigroup zeigt.
"Citigroup-Chef vermillionfacht sein Gehalt" lauteten die Schlagzeilen noch vor wenigen Wochen. Nach einem symbolischen Verdienst von 1 Dollar 2010 wurden Vikram Pandit für 2011 insgesamt 15 Mio. Dollar versprochen. Doch das ist den Aktionären zuviel: Der Vergütungsplan für Pandit und seine Vorstandskollegen bekam auf der Hauptversammlung keine Mehrheit.
Die Abstimmung ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, ihr Ergebnis muss aber nicht zwingend umgesetzt werden. Verwaltungsratschef Richard Parsons versprach aber Änderungen am Vergütungsplan. "Wir werden ausführlich mit unseren Aktionären sprechen, damit wir ihre Bedenken richtig verstehen, und das dann in Ordnung bringen."
Auch bei der zweiten Schweizer Großbank dringen die Boni-Rebellen von Ethos auf ein Nein zum Vergütungsplan. UBS -Chef Sergio Ermotti wurden für 2011 6,4 Mio. Franken zugesagt - obwohl er erst im September auf den Spitzenposten rückte und vorher einfaches Vorstandsmitglied war.
Verärgert zeigte sich Ethos auch über das "Vier-Millionen-Franken-Willkommenspaket für den zu wählenden Verwaltungsratspräsidenten" Axel Weber. Dem ehemaligen Bundesbankpräsidenten hat die UBS zum Amtsantritt 2 Mio. Franken sowie ein Jahresgehalt von 2 Mio. Franken versprochen, sofern er auf der Hauptversammlung am 3. Mai wie geplant in den Verwaltungsrat gewählt wird. Den Vorsitz des Kontrollgremiums soll Weber 2013 übernehmen.
Die britische Fondsgesellschaft Hermes will auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 31. Mai eine Revolte anzetteln: Sie will dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern. Der Antrag wird nach Angaben von Hermes von weltweit 28 Großinvestoren unterstützt.
Sie werfen dem scheidenden Chefkontrolleur Clemens Börsig in erster Linie vor, den Machtwechsel an der Spitze der Bank schlecht vorbereitet zu haben. Nach Angaben von Hermes-Manager Hans-Chrsistoph Hirt empfinden die Investoren aber auch die Vorstandsvergütung als problematisch.
Börsig gibt auf der Hauptversammlung den Aufsichtsratsvorsitz an den bisherigen Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner ab. Gleichzeitig macht Vorstandschef Josef Ackermann den Weg für das neue Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen frei. Ackermann wurden für 2011 9,4 Mio. Euro zugesagt. Zwischen seinen Nachfolgern klafft eine große Gehaltslücke: Jain soll 9,8 Mio. Euro bekommen, Jürgen Fitschen 4,2 Mio Euro.
Barclays -Chef Bob Diamond wurde sein Verdienst zwar noch nicht gekürzt. Nach Protesten von Anteilseignern gegen das 17 Mio. Pfund schwere Vergütungspaket für den Manager verschärfte die Bank aber die Auflagen, die Diamond vor einer Auszahlung bestimmter Bonusanteile erfüllen muss. Nur wenn die Eigenkapitalrendite der Bank von zuletzt 5,8 Porzent die Kapitalkosten von zuletzt elf Prozent in mindestens einem der kommenden drei Jahre übersteigt, erhält Diamond den kompletten Bonus. Verfehlt er das Ziel, bekommt er knapp 1,5 Mio. Pfund weniger.
Der frühere Wall-Street-Banker Diamond ist einer der aggressivster Vertreter üppiger Gehaltszulagen, wie sie auch bei europäischen Banken lange üblich waren. Nach dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise hatte Diamond vor britischen Parlamentariern das Ende der Bescheidenheit ausgerufen. Man müsse als Banker jetzt nicht mehr "in Sack und Asche" gehen, sagte er damals.
Nach scharfer Kritik von Politik und Medien verzichtete die Führungsspitze der Royal Bank of Scotland (RBS) im Januar auf ihre Boni für 2011. Vorstandschef Stephen Hester sollte zuzüglich zu seinem Grundgehalt von 1,2 Mio. Pfund (1,5 Mio. Euro) ein Aktienpaket im Wert von 1 Mio. Pfund erhalten. Das löste einen öffentlichen Aufschrei aus, weil die in der Finanzkrise teilverstaatlichte RBS im vergangenen Jahr 2 Mrd. Pfund Verlust machte.
Auch Aufsichtsratschef Philip Hampton verzichtete auf ein Aktienpaket, dessen Wert sich auf rund 1,4 Mio. Pfund belaufen hätte.
Ausgestanden ist die Debatte im Vereinigten Königreich damit nicht. Britische Aktionärsschützer fordern, die Regierung müsse die Vergütung bei den teilverstaatlichten Banken RBS und Lloyds generell begrenzen. "Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass die Bezahlung hochrangiger Banker derb überzogen ist - einige würden auch sagen: unmoralisch", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Direktor der UK Shareholders Association (UKSA) , Eric Chalker.
Auch der Chef der größten Filialbank Großbritanniens beugte sich dem Druck der Öffentlichkeit: António Horta-Osório verzichtete auf ein rund 2,4 Mio. Pfund schweres Aktienpaket. Der Portugiese hatte zum Jahreswechsel wegen Burnouts eine mehrwöchige Auszeit genommen, überdies fuhr Lloyds 2011 einen Verlust von 2,8 Mrd. Pfund ein. Trotzdem könnte Horta-Osório zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 1,06 Mio. Pfund weitere 2,4 Mio. Pfund bekommen, wenn er seine langfristigen Ziele erfüllt.
Lloyds ist überdies die erste britische Bank, die einem Vorstand wegen Fehlern in der Vergangenheit einen Teil seiner Boni wieder abknöpfte: Der ehemalige Konzernchef Eric Daniels musste von seiner Prämie von 1,45 Mio. Pfund für 2010 580.000 Pfund zurückgeben.
Unter Daniels Ägide hatte Lloyds im großen Stil Restschuldversicherungen verkauft, die dem Kunden nichts nützen. Wie andere britische Banken muss auch Lloyds nach langem juristischem Hin und Her seine Kunden entschädigen - was die Bank 3,2 Mrd. Pfund kostet. Die Bank machte deshalb von der sogenannten Clawback-Klausel Gebrauch. Die Einführung solcher Rückholregeln für Boni hatten die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) im Herbst 2009 als Reaktion auf die Finanzkrise beschlossen.
Die Commerzbank hat die Debatte über die Deckelung von Vorstandsgehältern bei staatlich gestützten Banken schon hinter sich: Bis die Staatshilfen vollständig zurückgezahlt sind, muss sich Konzernchef Martin Blessing mit 500.000 Euro im Jahr begnügen.
Der Aufsichtsratschef der Bank, Klaus-Peter Müller, will einer staatlichen Einmischung in die Vergütungspläne weiterer Unternehmen vorbeugen. Er rief die Aufsichtsräte der übrigen DAX -Konzerne auf, selbst Obergrenzen einzuziehen. Müller leitet die von der Regierung eingesetzte Kommission für gute Unternehmensführung (Corporate-Governance-Kommission). Sein Kommissionskollege Manfred Gentz, der auch Aufsichtsratschef der Deutschen Börse ist, hat den Aufruf mit unterzeichnet.