Das Problem ist allzu offensichtlich: Die Privatkundensparte erzielte im zweiten Quartal nur noch ein mageres operatives Ergebnis von 14 Mio. Euro. Doch allein 24 Mio. Euro steuert schon die Direktbanktochter Comdirect bei.
Mit anderen Worten: Das klassische Filialgeschäft schreibt inzwischen rote Zahlen. "Die Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend", räumte Finanzvorstand Stephan Engels am Donnerstag bei der Präsentation der Ergebnisse ein. "Da wir in der zweiten Jahreshälfte keine Besserung erwarten, werden wir die strategische Weiterentwicklung vorantreiben", kündigte Engels an.
Es wundert nicht, dass die gemessen an den Erlösen wichtigste Sparte nun im Mittelpunkt der strategischen Neuausrichtung der Bank steht, deren Ergebnisse die Commerzbank im November präsentieren will. Das Privatkundengeschäft ist das größte Problem im Konzern, das Ergebnis weicht am deutlichsten von den ursprünglichen Zielen ab. Gemäß der 2009 verabschiedeten "Roadmap 2012", die längst Makulatur ist, sollte die Sparte in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn von 1 Mrd. Euro erreichen. Nach sechs Monaten stehen gerade mal 126 Mio. Euro zu Buche.
Wobei es nicht nur an der Commerzbank liegt, dass die Prognose nicht aufgegangen ist. Denn dass die Zinsen so nach unten gehen und die Margen belasten würden, war damals nicht absehbar. Bedenklich stimmen aber die permanent sinkenden Einnahmen aus dem Verkauf von Wertpapieren sowie fallende Gebühren für die Kontoführung und sonstige Dienstleistungen. Der Provisionsüberschuss im Privatkundengeschäft brach im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 29,1 Prozent auf 726 Mio. Euro ein. Zum Vergleich: 2008, im Jahr der Übernahme der Dresdner Bank, waren es fast 2,5 Mrd. Euro.
Was die von Engels am Donnerstag im feinsten Managersprech angekündigte "strategische Weiterentwicklung" des Privatkundengeschäfts nun für die Mitarbeiter bedeutet, ob weitere Stellen gestrichen und Filialen geschlossen werden, ließ der Finanzvorstand offen. Doch offenbar scheint die Führungsspitze selbst nicht daran zu glauben, allein mit höheren Einnahmen die Sparte wieder flott zu kriegen. "Aufgrund der schwierigen Ertragslage unterziehen wir auch die Kosten einer konsequenten Prüfung", betonte Engels, ohne dabei konkret auf das Privatkundengeschäft einzugehen.
Beim Thema Kostendisziplin hat die Commerzbank inzwischen viel Erfahrung und durchaus Erfolge vorzuweisen. Bislang ist es ihr gelungen, die sinkenden Erlöse durch Einsparungen etwas aufzufangen. Lagen die Verwaltungsaufwendungen 2009 noch bei 9 Mrd. Euro, so strebt die Commerzbank für 2012 nun sogar weniger als die ursprünglich avisierten 7,6 Mrd. Euro an. Klar ist aber auch, dass der Spielraum kleiner wird. Erstmals seit 2009 werden 2012 die Verwaltungsaufwendungen in der zweiten Jahreshälfte höher sein als in der ersten. Engels nannte als einen Grund höhere Tarifabschlüsse für die Mitarbeiter, gab aber auch zu, dass sich viel kurzfristig Wirkendes nicht wiederholen lasse. Die geplanten Synergien aus der Übernahme der Dresdner Bank sind jedenfalls fast ausgeschöpft. 2,4 Mrd. Euro hatte die Bank einst veranschlagt, 2,2 Mrd. Euro sind bereits erreicht.
Dass die Bank weiter als Sparmeister auftritt, ist auch eine Reaktion auf die insgesamt schlechteren Ertragsaussichten. "Für das zweite Halbjahr erwarten wir keine Stabilisierung des Marktumfelds", sagte Engels. Er geht davon aus, dass der Gewinn in der zweiten Jahreshälfte unter dem der ersten liegen wird, als die Bank operativ gut 1 Mrd. Euro verdiente - 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Denn die niedrigen Zinsen und das schwache Investitionsverhalten belasten zunehmend auch die Mittelstandsbank und die Investmentbankingsparte.
Zugleich drohen neue Verluste beim Abbau des Staatsanleiheportfolios sowie der Schiffs- und gewerblichen Immobilienkredite. Zwar ist der Verlust gegenüber 2011 gesunken, weil Abschreibungen auf Staatsanleihen ausgeblieben sind, die Rückstellungen für Kreditausfälle sind aber unverändert hoch - vor allem wegen neuer Risiken im Schiffsportfolio. Insgesamt umfasst das zum Verkauf bestimmte Portfolio knapp 160 Mrd. Euro, es wurde per 1. Juli in das Segment Non Core Assets (NCA) gepackt. Geleitet wird die Sparte künftig gemeinsam von Personalvorstand Ulrich Sieber und Jochen Klösges.