Dieser Satz verdeckt die tektonische Verschiebung: Aus "rein kommerziellen Gründen" habe man sich für "eine Beendigung der langjährigen und konstruktiven Zusammenarbeit mit Standard & Poor's entschieden", hat Post-Finanzvorstand Larry Rosen gesagt. Künftig will die Post mit dem Rivalen Fitch zusammenarbeiten. Dieser ungewöhnliche Wechsel ist viel mehr - er ist ein Befreiungsschlag.
Was sich hier abzeichnet, könnte der Vorbote einer größeren Gegenwehr der Kunden sein, die bisher der Macht des Diktats der großen drei - S&P, Moody's und Fitch - ausgeliefert sind. Diese Macht wird zwar nicht gebrochen, weil diese drei weiter das Geschäft zu 95 Prozent beherrschen. Der Wechsel der Post sendet aber ein selbstbewusstes Signal: Seht her, wir können auch anders.
Schon vor einigen Monaten hatten elf DAX -Konzerne einen Brandbrief geschrieben. Neben der Post gehörten Schwergewichte wie VW und Siemens dazu. In dem Schreiben warfen sie der weltgrößten Ratingagentur Preistreiberei vor, die Pläne für höhere Gebühren seien "vollkommen inakzeptabel". S&P hat seine Preismacht immer weiter ausgereizt und bekommt nun dafür die Quittung.
Ohnehin hat die Agentur eine Serie von schlechten Nachrichten und Schlappen hinter sich: Erst vor zwei Wochen wurde S&P in Australien zu einer Zahlung von Schadensersatz verurteilt. In New York prüft ein Gericht, ob es ein Verfahren gegen die Ratingagenturen wiederaufnimmt, in Chicago will eine Staatsanwältin gegen S&P wegen betrügerischer Geschäftspraktiken vorgehen. Da rollt eine ganze Lawine von Prozessen auf die großen Wächter zu.
Insofern ist ein wenig Rebellion nur zu begrüßen. Die Konzerne hatten in dem Brief mit "weiteren Maßnahmen" gedroht. Nun wird nicht nur gebellt, sondern auch gebissen. Es wäre wünschenswert, wenn andere Konzerne dem Beispiel der Post folgen. Erst dann wird Bewegung in einen Markt kommen, der viel zu lange vor allem von S&P dominiert wird.