Die Frage ist, ob Madrids Gläubiger bereit sind, den beabsichtigten Befreiungsschlag zu finanzieren - oder ob dieser Schritt die Renditen für spanische Anleihen nicht vielmehr weiter steigen lässt. Bei einer Anleiheauktion vergangene Woche hatte die Regierung Anlegern für fünfjährige Papiere eine Rendite von 4,54 Prozent bieten müssen. Dieser Zinssatz gilt als gerade noch verkraftbar. Die Investmentbank Barclays immerhin sieht in einer Rekapitalisierung der Cajas ein gutes Signal: "Wenn das Problem rasch und kraftvoll gelöst wird, werden die Märkte das positiv aufnehmen", heißt es in einem Bericht von Freitag.
Die Probleme der Sparkassen rühren her aus dem langjährigen Bauboom des Landes. Bis die Immobilienblase 2008 platzte, hatten die Cajas allzu sorglos Kredite für gewerbliche und private Bauprojekte vergeben. Viele dieser Darlehen drohen nun auszufallen und die Bilanzen zu belasten - zumal viele Experten einen weiteren Verfall der Immobilienpreise befürchten. Weitere Abschreibungen könnten dem Finanzsektor aus einem Zahlungsausfall Portugals erwachsen. Die spanischen Banken sind im iberischen Nachbarland stark engagiert.
Während der großen Finanzkrise hatten Spaniens Banken ironischerweise noch als besonders gesund gegolten. Tatsächlich aber, das zeigte sich bald, stehen nur die global tätigen Großbanken
Santander und
BBVA vergleichsweise gut da, während neben den Cajas auch viele mittelgroße Institute wie die Banco Sabadell enorme Probleme haben. Bislang hat der spanische Staat rund 15 Mrd. Euro in die Sparkassen gesteckt. Das Geld kam überwiegend aus dem Bankenhilfsfonds FROB, Spaniens Pendant zum deutschen Soffin. Theoretisch ist der FROB auf bis zu 99 Mrd. Euro ausgelegt. Tatsächlich müsste Madrid den Fonds aber erst einmal auffüllen, naheliegenderweise durch die Ausgabe zusätzlicher Staatsanleihen.
Für Spaniens Staatsfinanzen interessiert sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF), der heute eine Abordnung nach Madrid entsendet. Das ist insofern pikant, als dass der Währungsfonds am Rettungspaket für die Euro-Zone beteiligt ist. Das Wirtschaftsministerium beeilte sich, von einem Routinebesuch zu sprechen.