Der US-Investor Lone Star richtet sich darauf ein, die Düsseldorfer Problembank IKB deutlich länger zu halten als vorgesehen. "Es ist momentan keine sehr gute Zeit, um ein Geldinstitut zu verkaufen", sagte Europa-Chef Bruno Scherrer im Gespräch mit der FTD. Nachdem die französische Großbank BNP Paribas im vergangenen Sommer ihr Interesse verloren hatte, gebe es "zurzeit keinen Verkaufsprozess". Allerdings betonte Scherrer, dass sich trotzdem regelmäßig potenzielle Käufer bei Lone Star meldeten: "Unter den richtigen Rahmenbedingungen wäre der Deal in jedem Fall möglich."
Die IKB war im Juli 2007 als erste deutsche Bank infolge der US-Krise um Ramschhypotheken in Schieflage geraten - mehr als ein Jahr vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Den Steuerzahler kostete die Rettung etwa 10 Mrd. Euro, rund 1,5 Mrd. Euro steuerte die Bankenbranche bei. Im Herbst 2008 übernahm dann Lone Star gut 90 Prozent des eigentlich auf Mittelstandsfinanzierung spezialisierten Instituts, nachdem die staatliche KfW das Institut zuvor aufgefangen hatte.
Die Amerikaner wollten die IKB von ihren faulen Vermögenswerten befreien und das Kerngeschäft nach wenigen Jahren mit Gewinn verkaufen. Tatsächlich zeigten einige Banken wie HSBC Trinkaus seitdem Interesse; die Verhandlungen mit BNP Paribas waren nach FTD-Informationen sogar fortgeschritten. Der Deal scheiterte vor allem an den Refinanzierungsproblemen, die BNP im Sommer 2011 hatte. So bleibt Lone Star bisher auf der IKB sitzen.
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Am Kapitalmarkt gilt das Institut nach wie vor als Problemfall: Die IKB-Aktie, die einst mehr als 30 Euro wert war, dümpelt momentan bei 22 Cent. Anleiheinvestoren verlangen am Sekundärmarkt hohe Risikoprämien für IKB-Papiere. Für das Ende März endende Geschäftsjahr hatte die Bank jüngst einen Verlust von 517 Mio. Euro ausgewiesen. Die Kernkapitalquote sank dadurch von 11,2 Prozent auf 9,4 Prozent - ab acht Prozent müsste der Rettungsfonds Soffin einschreiten, an dessen Garantien die IKB noch immer hängt. Ob Lone Star bereit wäre, Kapital nachzuschießen, ließ Scherrer offen: "Dieser Frage widmen wir uns erst dann, wenn sie sich gegebenenfalls stellt."
Scherrer wehrt sich jedoch vehement gegen den Ruf der IKB als Krisenbank. Das hohe Minus im letzten Jahr führt er vor allem auf die Abschreibung von Griechenland-Anleihen zurück. "Bis zur Eskalation der Schuldenkrise haben wir eine Erholungsgeschichte geschrieben", so der Franzose. Die Bank sei "fundamental gesund", die Bilanz von einst 65 Mrd. Euro auf inzwischen 30 Mrd. Euro geschrumpft worden. "Der Großteil der Probleme liegt hinter uns. Die Kreditausfallraten im Mittelstandsgeschäft sind historisch niedrig."
Als Beleg für die fortschreitende Sanierung führt Scherrer die Rückzahlung der staatlich garantierten Soffin-Anleihen an, die in den ersten Krisenjahren die Finanzierung der IKB sichergestellt hatten. Von den ursprünglich 12 Mrd. Euro sind bereits 7,75 Mrd. Euro abgelöst. Die nächste, im September fällige Tranche über 2 Mrd. Euro sei "eine bloße Formalie", so Scherrer. "Und das dann noch ausstehende Geld wollen wir nach Möglichkeit vorzeitig zurückzahlen."
Dass sich die Refinanzierungssituation der Bank derart entspannt hat, liegt unter anderem an den Drei-Jahres-Tendern der Europäischen Zentralbank (EZB). Zudem wirbt die IKB seit letztem Jahr erfolgreich um Kleinsparer und hat schon jetzt deutlich mehr als 3 Mrd. Euro auf diese Weise eingesammelt. Scherrer nannte das IKB direkt getaufte Projekt einen "überraschenden Erfolg".
Lone Star hatte 2008 lediglich 137 Mio. Euro für die IKB bezahlt. Daneben sollen die Amerikaner aber einen größeren Betrag direkt in die Bank gesteckt haben. Branchenkenner bezweifeln, dass Lone Star diesen Einsatz zurückerhält oder gar mehren kann. Daneben übernahm der Finanzinvestor damals ein milliardenschweres Paket notleidender Wertpapiere, die man auf eigene Rechnung verwerten wollte. In Finanzkreisen heißt es, die Amerikaner hätten damit bereits "einen ordentlichen Schnitt" gemacht. Scherrer sagte dazu nur, Lone Star sei in der IKB "weiterhin mit einer beträchtlichen Summe engagiert".