Die Regierung in London hat sich in den Konflikt um die mit Geldwäschevorwürfen konfrontierte britische Bank Standard Chartered eingeschaltet. Wie am Freitag bekannt wurde, hat Finanzminister George Osborne mit seinem amerikanischen Amtskollegen Timothy Geithner telefoniert - und das gleich drei Mal binnen zwei Tagen. Die Gespräche seien am Dienstag und Mittwoch geführt worden, hieß es.
Damit wird deutlich, dass in Großbritannien die Furcht davor wächst, dass die Affäre den Ruf des Finanzplatzes London beschädigt. Bislang hatten sich lediglich britische Parlamentsabgeordnete und Londons Bürgermeister Boris Johnson über eine vermeintliche Hexenjagd amerikanischer Behörden gegen britische Banken beklagt.
Die Telefonate zwischen Osborne und Geithner zeigen, dass der Fall auch an höchster Stelle mit Sorge betrachtet wird. "Das Schatzamt findet, dass Regeln nicht gebrochen werden sollten, aber wir sind besorgt darüber, wie diese Vorwürfe völlig unerwartet kamen", sagte ein Regierungsvertreter der Financial Times. "Es ist wichtig, dass britische Unternehmen fair behandelt werden."
Die Finanzaufsicht des US-Bundesstaates New York hatte Standard Chartered am Montag vorgeworfen, über zehn Jahre hinweg 250 Mrd. Dollar an iranischen Regierungsgeldern illegal über US-Konten geschleust zu haben. Dem in London beheimateten Institut droht der Entzug der US-Banklizenz, was das internationale Geschäft des Instituts schwer treffen würde. Die Aktie der auf Schwellenländer spezialisierten Bank hat daraufhin in den letzten Tagen bis zu ein Drittel an Wert verloren.
Zuvor waren bereits ähnliche Vorwürfe gegen das ebenfalls britische Geldhaus HSBC laut geworden. Eine weitere britische Bank, Barclays , wurde von US- und britischen Aufsehern wegen Manipulationen am Interbankenzins Libor zu einer Geldstrafe von rund 450 Mio. Dollar verdonnert.
Allerdings sind die Amerikaner in den vergangenen Jahren auch gegen Geldhäuser aus anderen europäischen Ländern sowie den USA selbst vorgegangen, denen sie Geldwäsche und ähnliche Verstöße vorwerfen. Dennoch haben die Vorwürfe gegen Standard Chartered viele in der Londoner City schwer verärgert. Standard Chartered prüft nach Angaben von Vorstandschef Peters Sands rechtliche Schritte gegen die US-Behörde, der er Rufschädigung vorwirft.
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Nach Informationen der Financial Times hat das US-Finanzministerium dem britischen Schatzamt am Mittwoch einen Brief geschrieben, in dem die Regeln dargelegt werden, die für den Umgang ausländischer Banken mit Kunden in Ländern gelten, die mit Sanktionen belegt sind. Insbesondere ging es dabei um sogenannte U-Turn-Transaktionen, die im Zentrum der Vorwürfe gegen Standard Chartered stehen. Bis 2008 waren demnach Transaktionen von Geldern aus Ländern wie dem Iran erlaubt, wenn das Geld nur über New York abgewickelt wurde, nicht aber ins Land floss.
Das Vorpreschen der New Yorker Finanzaufsicht DFS hat auch in den USA selbst für Ärger gesorgt. Etliche andere Behörden, darunter das Justiz- und das Finanzministerium sowie die Notenbank Federal Reserve, ermitteln ebenfalls in dem Fall, sie wurden von den Kollegen aus New York überrumpelt. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" bemühen sich die diversen Stellen nun darum, sich zusammenzuschließen. Gemeinsam mit der New Yorker Behörde wollten sie sich auf eine gemeinsame Position einigen, um mit Standard Chartered über einen Vergleich verhandeln zu können. Bis zum kommenden Mittwoch wollten die Behörden Einigkeit erzielen, hieß es. Dann müssen Vertreter der Bank in New York zu den Vorwürfen Stellung beziehen.