"Wenn die Tests erfolgreich sind, wollen wir das im November ausrollen", sagte
Commerzbank -Chef
Martin Blessing auf einer Bankenkonferenz der "Zeit" am Donnerstag in Frankfurt. Allerdings erst einmal beschränkt auf die
Comdirect .
Bei fast allen deutschen Banken sind Beratungsgespräche derzeit kostenlos, die Institute erzielen aus Anlageprodukten Provisionen oder aus Geldanlagen Zinsmargen. Viele Institute hinterfragen das aber und verweisen darauf, dass Kunden auch beim Steuerberater oder Rechtsanwalt für die Beratung zahlen. Da die Kunden durch die Krise verunsichert sind und hohen Gesprächsbedarf haben, hoffen die Banken, dass möglicherweise auch ein Mentalitätswandel stattfindet und die Kunden bereit sind, für qualifizierte Beratung auch zu zahlen. "Mal schauen, ob es in dem veränderten Umfeld funktioniert", sagte auch Blessing.
Es werde aber auf jeden Fall ein langer Prozess sein, die Kunden dort hinzuführen. Die Comdirect ist zwar hauptsächlich eine Direktbank, hat aber auch 26 Niederlassungen, in denen sie Kunden berät.
In der Vergangenheit gab es bereits mehrere erfolglose Versuche deutscher Banken, Honorarberatung einzuführen. So scheiterte die Dresdner Bank damit Ende der 90er-Jahre, auch die Privatbank Hauck & Aufhäuser testete sie, stieß aber auf wenig Interesse. Die Kunden hätten sich zu sehr daran gewöhnt, dass Bankdienstleistungen kostenlos seien, sagte Volker van Rüth, haftender Gesellschafter der Privatbank Hauck & Aufhäuser.
Erfolgreich dagegen betreiben die Honorarberatung die zum Versicherungskonzern Signal Iduna gehörende Conrad Hinrich Donner Bank und die Quirin Bank. In den USA habe die Honorarberatung einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent, sagte Quirin-Bank-Chef Karl Matthäus Schmidt.
Van Rüth äußerte sich indirekt skeptisch über die Commerzbank-Pläne. Er habe erhebliche Zweifel, dass die Honorarberatung im Massenkundengeschäft kostendeckend für die Banken gelingen könne, sagte er. Auch der Chef der HypoVereinsbank (HVB), Theodor Weimer, glaubt nicht daran, dass sich die Honorarberatung im Standardgeschäft durchsetzen lässt. Im gehobenen Privatkundengeschäft bietet die HVB dagegen bereits Honorarberatung an. In diesem Segment könne man auf den "Snob-Effekt" hoffen, sagte Weimer - also darauf, dass ein wohlhabender Kunde die Beratung wolle, weil er sehe, dass andere sie auch wahrnähmen.
Blessing warnte davor, dass die Finanzbranche die Krise zu schnell vergisst und keine ausreichenden Lehren zieht. "Die Sorge, die ich habe, ist, dass die Krise vielleicht zu kurz ist, um wirklich fundamentale Änderungen zu bewirken", sagte er. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte dagegen: "Einige berichten, die Party ist wieder in vollem Gange, die Banken haben nichts gelernt. Dieser Eindruck ist falsch und irreführend." Er verwies auf zahlreiche geplante oder bereits beschlossene Regulierungsänderungen, etwa die Überwachung von Ratingagenturen, die stärkere Unterlegung des Handelsbuchs mit Eigenkapital und von den Banken selbst eingeleitete Schritte wie die Reduzierung ihrer Verschuldung.