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Merken   Drucken   12.08.2012, 19:55 Schriftgröße: AAA

Vorwurf der Geldwäsche: Standard Chartered schwenkt die weiße Fahne

Nach den Geldwäsche-Vorwürfen fürchtet die britische Bank um ihre US-Lizenz. Das will das Geldhaus verhindern - und macht der New Yorker Aufsicht Zugeständnisse.
von Kim Bode, New York

Nach den schweren Geldwäsche-Vorwürfen der Finanzaufsicht des US-Bundesstaats New York bemüht sich die britische Standard Chartered Bank , einen möglichen Lizenzentzug für die Niederlassung in der Finanzmetropole abzuwenden. Das Institut verhandelte über das Wochenende mit dem New York Department of Financial Services wie auch mit einer Gruppe bundesstaatlicher Aufsichtsbehörden über einen Vergleich, wie Medien unter Berufung auf Kreise berichteten. Demnach soll die Bank bereits der Forderung der New Yorker zugestimmt haben, einen externen Beobachter zu engagieren, der die Einhaltung der amerikanischen Anti-Geldwäsche-Gesetze überwacht.

In einem ungewöhnlichen Vorgang war der oberste New Yorker Finanzaufseher Benjamin Lawsky mit seinen heftigen Vorwürfen am vergangenen Montag vorgeprescht, ohne sich vorher mit den anderen zuständigen US-Aufsichtsbehörden abzusprechen. Lawsky beschuldigt Standard Chartered, über zehn Jahre hinweg 250 Mrd. Dollar (200 Mrd. Euro) an iranischen Regierungsgeldern illegal über US-Konten geschleust zu haben. Dem in London beheimateten Institut droht der Entzug der US-Banklizenz, was das internationale Geschäft des Instituts schwer treffen würde.

Laut mit den Verhandlungen vertrauten Personen soll noch vor der für diesen Mittwoch angesetzten Anhörung von Vertretern der Bank in New York eine Einigung erzielt werden. Das dürfte jedoch auch angesichts des Vorgehens der New Yorker Behörde und der robusten Antwort der Bank schwierig werden. Standard Chartered hatte die Vorwürfe ungewöhnlich barsch zurückgewiesen. An diesem Mittwoch soll den leitenden Bankmitarbeitern der New Yorker Filiale die Chance gegeben werde, ihre Banklizenz für ihre Niederlassung in der Finanzmetropole zu verteidigen. Experten zufolge könnte der Lizenzentzug das Geschäftsmodell schwer beschädigen und einen Ertragseinbruch von rund 40 Prozent zur Folge haben. Beobachter schätzen, dass die mögliche Summe eines Vergleichs in etwa auf dem Niveau der möglichen Strafzahlungen für die Bank HSBC  in ähnlichen Anklagepunkten liegen könnte. Das britische Institut hatte in dem Zusammenhang im vergangenen Monat 700 Mio. Dollar Rückstellungen gebildet. Die Summe könnte noch steigen.

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Auch die Aufseher sollen Kreisen zufolge untereinander verhandeln. Demnach bemüht sich eine Gruppe von bundesstaatlichen Behörden - darunter das Justiz- und das Finanzministerium, die US-Notenbank Federal Reserve und die Manhattaner Staatsanwaltschaft - darum, mit der New Yorker Aufsicht eine gemeinsame Position zu erarbeiten. Standard Chartered verhandelt nach eigenen Angaben bereits seit Anfang 2010 mit den anderen Aufsehern über die vermeintlichen Verstöße gegen US-Gesetze.

Sollten sich die Aufsichtsbehörden nicht auf eine gemeinsame Position einigen, könnte Lawsky den Lizenzentzug dennoch anordnen. Standard Chartereds bisheriger Wirtschaftsprüfer Deloitte stritt derweil alle Vorwürfe der Komplizenschaft ab.

Der Fall belastet die transatlantischen Beziehungen immer stärker: Wie am Freitag bekannt wurde, telefonierte der britische Finanzminister George Osborne aus Sorge um den Ruf des Finanzplatzes London bereits mehrfach mit seinem US-Amtskollegen Timothy Geithner. "Das Schatzamt findet, dass Regeln nicht gebrochen werden sollten, aber wir sind besorgt darüber, wie diese Vorwürfe völlig unerwartet kamen", sagte ein Regierungsvertreter der Financial Times. "Es ist wichtig, dass britische Unternehmen fair behandelt werden." Zuvor hatten einige britische Politiker eine vermeintliche Hexenjagd der USA gegen britische Banken beklagt.

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  • Aus der FTD vom 13.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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