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Merken   Drucken   27.07.2012, 14:26 Schriftgröße: AAA

Ray-Ban-Hersteller: Luxottica - Italien mal erfolgreich

Italien droht 2012 eine schwere Rezession, vielen Firmen droht das Aus. Der in Mailand beheimate Ray-Ban-Hersteller Luxottica dagegen wächst zweistellig. Mitverantwortlich ist Chef Andrea Guerra, der die Auslandsexpansion rasant vorantreibt.
von Mailand

Andrea Guerras Erfolgsrezept klingt banal. "Man sollte keine Angst vor der Konkurrenz haben, man sollte es mit der Welt aufnehmen, ohne Zuflucht im Protektionismus zu suchen", sagte der Vorstandschefs des Brillenkonzerns Luxottica in einem Interview. "Erfolg besteht aus vier Aspekten. Unternehmergeist, Geschwindigkeit und Weitblick."

Was eine Binsenweisheit sein mag, kommt aus berufenem Munde. Luxottica ist eine der Erfolgsgeschichten auf dem Stiefel. Schwere Rezession in Italien, der Risikoaufschlag italienischer gegenüber deutscher Staatsanleihen bei mehr als fünf Prozentpunkten? All das scheint für den Hersteller von Brillen bekannter Marken wie Ray Ban oder Oakley keine Rolle zu spielen.

Luxottica-Chef Andrea Guerra posiert mit einer Ray-Ban-Sonnenbrille   Luxottica-Chef Andrea Guerra posiert mit einer Ray-Ban-Sonnenbrille

Im zweiten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 15,2 Prozent auf 1,88 Mrd. Euro und seinen Gewinn um knapp 21 Prozent auf 195 Mio. Euro. Das ist besser als Branche insgesamt. Für die Luxusindustrie sagen Experten ein Wachstum von "nur" sieben bis elf Prozent gegenüber dem Vorjahr voraus, nach einem Plus von elf Prozent im Jahr 2011.

Luxottica ist ein Ausnahmebeispiel in Italien. Dem Luxuskonzern - er fertigt neben eigenen Designerbrillen auch im Auftrag für Labels wie Armani, Prada oder Tiffany - ist das gelungen, am dem viele Firmen im Bel Paese gescheitert sind: die Welt zu erobern. 60 Prozent des Umsatzes erzielt der in Mailand ansässige Betrieb in Nordamerika, nur 20 Prozent in Europa.

In aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und Lateinamerikas wird die Präsenz verstärkt. Vergangenen Dezember kauften sie die brasilianische Grupo Tecnol, die unter anderem Brillen für Benetton und Pierre Cardin herstellt. Kurz zuvor hatten sie die Firma Multiopticas Internacional übernommen, die 470 Geschäfte in Südamerika betreibt. Das Gewicht verschiebt sich dahin: Während in Westeuropa und Nordamerika die Umsätze im ersten Halbjahr um ein beziehungsweise acht Prozent kletterten, schossen sie in den Schwellenländern um 35 Prozent nach oben.

Der Fiat-Chef Sergio Marchionne   Der Fiat-Chef Sergio Marchionne

Das globale Flair ist dem Gründer geschuldet. Leonardo del Vecchio, 77 Jahre alt, der 66 Prozent der Anteile von Luxottica hält, zog es Anfang der 60er-Jahre in das Dolomitendorf Agordo. In der armen Gegend formte der gelernte Feinmechaniker aus einer einfachen Werkstatt ein Unternehmen, das immer ein wenig schneller war als die Konkurrenz. Zügig baute er über die Jahrzehnte das Auslandsgeschäft aus. 1990 ließ er sein Unternehmen an der Börse listen, nicht in Mailand, sondern an der New Yorker Wall Street.

2004 holte del Vecchio mit Guerra einen Manager an Bord, der keine Erfahrung im Luxusgeschäft mitbrachte. Guerra hatte bei dem Haushaltsgerätehersteller Merloni und der Hotelkette Marriott gearbeitet. Aber der 1965 in Mailand Geborene hat das, was del Vecchio schätzt: Energie und die Bereitschaft, neue Märkte zu erschließen. Der Brillenunternehmer hatte wohlgemerkt nicht als einziger das Talent Guerras entdeckt. Damals kursierten Gerüchte, Guerra werde bei Fiat einsteigen. Der Autokonzern im Besitz der Familie Agnelli war auf der Suche nach einem Retter - und fand ihn später in Sergio Marchionne.

Guerra, fast kahlköpfig, der wie Marchionne gerne Pullis trägt, "Financial Times" und "Wall Street Journal" liest, scheut nicht vor kritischen Worten über seine Heimat zurück. Im Oktober 2011 gab er der französischen Zeitung "Les Echos" ein Interview - und ging dabei hart mit der politischen Klasse und den Unternehmern ins Gericht. "Wir müssen schnell das politische Personal auswechseln", sagte Guerra. "Erst dann kann das Land wieder Glaubwürdigkeit, Stabilität und Zukunft ausstrahlen." Im November stürzte dann die Regierung von Silvio Berlusconi, es folgte das Technokratenkabinett Mario Montis.

Die Firmen Italiens seien zu klein und damit nicht fit für den internationalen Wettbewerb, sagte Guerra in dem gleichen Interview. "Wenn eine Unternehmerfamilie hierzulande einen gewissen Erfolg erlangt, stoppt sie und widmet sich im Schatten des Staates anderen Dingen", sagte Guerra. "Der familiengeprägte italienische Kapitalismus muss begreifen, dass es manchmal besser ist, einen kleinen Anteil an einem großen und starken Unternehmen zu halten anstatt eine kleine Firma mit schwacher Bilanz zu besitzen und sie dann womöglich in der Not schnell verkaufen zu müssen."

Guerra spricht hier wohl auch im eigenen Interesse. Den Luxottica - das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette vom Verkauf bis zum Handel ab - ist stets auf der Suche nach Übernahmekandidaten. Ziele von weniger als 50 Mio. Euro habe man im Auge, in den kommenden zwölf Monaten werde sich etwas tun. Allerdings weniger in Italien. Es gehe um Lateinamerika und Asien, stellt Guerra klar.

  • FTD.de, 27.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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