An mehreren Standorten des Luft- und Raumfahrtskonzern EADS hat es am Dienstag Hausdurchsuchungen gegeben. Dies bestätigte am Mittwoch ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien. Bei den Ermittlungen geht es um mögliche Unregelmässigkeiten beim Kauf von mehreren Kampfliegern des Typs Eurofighter durch Österreich. Es besteht der Verdacht, dass bei dem knapp 2 Mrd. Euro teuren Geschäft Bestechungsgelder geflossen sind. Die Razzien erfolgten in Österreich, Deutschland und in der Schweiz.
EADS selbst wollte sich bisher dazu nicht im Details äußern, bestätigte aber, dass es Ermittlungen gebe. Man unterstütze die Behörden, mache jedoch aufgrund des "laufenden Verfahrens" keine weiteren Angaben. Die Hausdurchsuchungen konzentrierten sich auf drei EADS-Standorte sowie auf die Büros und Privaträume von Lobbyisten. Über ein kompliziertes Firmengeflecht und verschiedene Lobbyisten sollen bis zu 180 Mio. Euro illegal geflossen sein. Die Betroffenen bestreiten die Vorwürfe. Nach FTD-Informationen fanden die Durchsuchungen am Dienstag nicht nur in der deutschen EADS-Zentrale in Ottobrunn bei München, sondern auch in der Eurofighter-Zentrale in Hallbergmoos bei München sowie am EADS-Rüstungsstandort Cassidian in Unterschleißheim bei München statt.
Die Ermittlungen werden in Österreich und in Deutschland wegen Bestechung und Untreue sowie Geldwäscherei geführt. Der 2002 beschlossene Kauf der Kampflieger ist in Österreich ein Politikum. Die Durchsuchungen sind ein neuer Höhepunkt in der seit zehn Jahren schwelenden Affäre. In Österreich laufen seit Jahren Ermittlungen, ob hier Korruption im Spiel gewesen sei. Zudem gab es bereits einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Ein hochrangiger Berater von EADS hatte vor dem Untersuchungsausschuss des Wiener Parlaments die Aussage verweigert.