Ein Einstieg der Airbus-Mutter EADS beim größten europäischen Rüstungskonzern BAE Systems ist eine hochriskante Wette. Denn mit dieser Übernahme werden die Gewichte im Unternehmen neu verteilt. Gerade einmal drei Monate nach seinem Aufstieg zum Chef von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern will Thomas Enders das Unternehmen mit diesem Coup schlagartig auf eine breitere Basis stellen.
Der Übernahmeplan belegt, dass Enders daran zweifelt, dass das Airbus-Geschäft künftig weiter so floriert wie heute. Enders hat als früherer jahrelanger Airbus-Chef Erfahrungen damit. Er weiß, wie schnell technische Fehler und konjunkturelle Schwankungen das Geschäft mit Zivilflugzeugen belasten können.
Für diese Einnahmequelle braucht er einen Ausgleich, und den hat er nun gefunden: im Geschäft mit dem Krieg. Es soll als zweite große Geschäftssäule das Unternehmen von Konjunkturschwankungen bewahren.
Ob diese Rechnung aufgeht, ist aber unsicher. Denn seit einiger Zeit zeichnet sich ab, dass die Ära der wachsenden Militärbudgets vorbei ist. Rüstung ist heute keine Quelle unbegrenzter Geschäftsmöglichkeiten mehr.
EADS-Chef Enders stellt auch die Politik vor eine ganz neue Lage. Denn mit einer Übernahme von BAE Systems schafft er in Europa einen alles überragenden Militär-, Luftfahrt- und Raumfahrtanbieter, der vom U-Boot, über Panzer, bis hin zu Tankflugzeugen, Drohnen, Raketen und Satelliten alles anbietet. Europas Regierungen können künftig fast nur noch bei einem einzigen Anbieter neues Militärgerät bestellen. Wenn sich die Staaten nicht einigen können, bei wem sie bestellen, so das Kalkül, dann wird eben ein Megaanbieter geschaffen, bei dem geordert werden muss. Und dass Deutsche oder Franzosen bei Boeing in den USA ordern, ist höchst unwahrscheinlich.
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EADS bekäme mit BAE Systems schließlich einen guten Zugang zum US-Rüstungsgeschäft und würde internationaler. So könnte der Konzern könnte die leidige und geschäftsschädigende Diskussion beenden, ob die Franzosen oder doch die Deutschen die Firma dominieren.
Doch auch hier lauern Fallen. Rund zehn Jahre brauchte das Unternehmen, um die deutsch-französischen Rivalitäten weitgehend beizulegen. Jetzt also sollen Franzosen und Briten zusammenarbeiten - eine neue internationale Baustelle. Enders muss jetzt vorsichtig agieren, damit er nicht gleich einen neuen Kulturkampf provoziert. Eine gute Zusammenarbeit lässt sich nicht verordnen.