Die geplante Fusion der europäischen Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems wühlt Politik und Industrie auf. Die Bundesregierung sieht einige offene Fragen. Mit "goldenen Aktien" sollen die Regierungen in Berlin, Paris und London besänftigt werden. Die Börse reagiert derweil auf den Deal.
In der Bundesregierung gibt es erhebliche Vorbehalte gegen die Fusionspläne. "Es ist fraglich, ob der Konstruktionsvorschlag überhaupt zustimmungsfähig ist", berichtet die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin. Ob ein solcher Weg von Deutschland beschritten werden könne, müsse ergebnisoffen geprüft werden. Die Bundesregierung werde sich eng mit der französischen Regierung abstimmen.
In Berlin wird befürchtet, dass der deutsche Einfluss in einem neuen Großkonzern deutlich sinken könnte. Die geplante Ausgabe von Sonderaktien für die Regierungen der beteiligten Länder stößt auf Skepsis. "Neben der europarechtlichen Frage der Zulässigkeit ist es die Frage, welchen Wert eine solche Ausgestaltung überhaupt hat", hieß es.
Die britische BAE Systems hatte am Mittwochabend Fusionsgespräche mit der deutsch-französischen EADS bestätigt. Bislang hatte ein Aktionärspakt zwischen Deutschland und Frankreich die Interessen beider Länder bei EADS gewahrt. Auf deutscher Seite hat Daimler die Stimmrechte vertreten, auf französischer ist direkt der Staat beteiligt. Jeweils 22,3 Prozent an EADS halten Aktionäre aus Deutschland und Frankreich.
Hierzulande liegen noch rund 15 Prozent bei Daimler, das sich aber von der Hälfte des Anteils trennen will und darüber bisher mit der Bundesregierung und der Staatsbank KfW verhandelt. Daimler teilte mit, die Aktien könnten stattdessen auch am Markt verkauft werden. Weitere 7,5 Prozent hält ein Konsortium von Finanzinvestoren und Banken mit dem Namen "Dedalus". In Frankreich teilen sich die staatliche Holding Sogepa und der Mischkonzern Lagardere das Paket. Der Rüstungsbereich ist politisch hochsensibel, die Staaten sind daran interessiert, dass ihr Einfluss gewahrt bleibt.
Die ersten Reaktionen der Anteilseigner auf den Deal sind skeptisch: Firmenchef August Lagardere behält sich einen Einspruch gegen die Fusion vor, auch die Bundesregierung hat noch keine Zustimmung gegeben. Die Bundesregierung sucht den Schulterschluss mit Frankreich. "Eine enge Abstimmung mit der französischen Regierung ist geplant", sagte ein Insider .
EADS bemüht sich seit Längerem, das von der Flugzeugtochter Airbus dominierte Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen. BAE Systems und EADS erwarten durch den Zusammenschluss neue Kundenkreise und Einsparpotenziale. Strategisch mache ein Zusammenschluss durchaus Sinn, urteilten viele Experten. EADS erhalte mit BAE eine stärkere Position im Rüstungsgeschäft und auf dem US-Markt. "Obwohl wir eine industrielle Logik hinter der Transaktion sehen, haben wir den Eindruck, dass die Wachstumsperspektiven von Airbus nicht vollständig in der geplanten Transaktion widergespiegelt werden", warnt zwar DZ-Bank-Anayst Markus Turnwald.
Er meint aber auch, dass mit dem Deal ein europäisches Gegengewicht zu den US-Wettbewerbern Boeing und Northrop Grumman enstehe. In der Tat würde mit dem Zusammenschluss ein neuer europäischer Rüstungsgigant geschaffen. Dieser würde den US-amerikanischen Rivalen Boeing beim Umsatz nicht nur überholen, sondern sogar deutlich abhängen. Zusammen kommen die Unternehmen auf einen Umsatz von etwa 75 Mrd. Euro. BAE ist Europas größtes reines Rüstungsunternehmen, EADS ist mit seinem starken zivilen Standbein aber deutlich größer und kommt auf 50 Mrd. Euro Jahresumsatz. Mit dem britischen Partner hätten EADS auf einen Schlag zwei in etwa gleich große Standbeine - zivile und militärische Geschäfte.
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Die US-Behörden werden sich der Fusion wohl nicht in den Weg stellen. Es sei eher unwahrscheinlich, dass das US-Verteidigungsministerium sowie die Kartellwächter den Zusammenschluss zum weltweit umsatzstärksten Luftfahrt- und Rüstungskonzern blockieren, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass die Airbus-Mutter EADS nur wenige staatliche US-Rüstungsaufträge erhalten habe. Ferner gebe es wenig Überlappungen in den Geschäften von EADS und dem Kampfhubschrauber- und U-Boote-Hersteller BAE in den USA. Bisher ist das Pentagon nach eigener Auskunft allerdings noch nicht offiziell über die geplante Fusion informiert worden.
Die Investoren zeigten sich alles andere als begeistert. Am Vormittag brachen EADS in Paris und Frankfurt um sechs Prozent auf 26,45 Euro ein, nachdem die Aktien am Mittwoch schon um fünf Prozent gefallen waren. BAE Systems notierten in London ebenfalls im Minus und gaben mit einem Abschlag von fünf Prozent einen Teil ihrer Kursgewinne vom Vortag ab. Nach Bekanntwerden der Fusionspläne hatten die Aktien des britischen Konzerns am Mittwoch noch mit einem Plus von zwölf Prozent reagiert. "Analysten gehen von einer Verwässerung für EADS aus", erläuterte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Mit dieser Begründung stuften etwa die Analysten der Citygroup die EADS-Aktien auf "Neutral" von "Kaufen" zurück und senkten das Kursziel von 40 auf 27 Euro.
Den Fusionsplänen zufolge würde EADS 60 Prozent der Anteile erhalten. Geplant sei, dass die französische, deutsche und britische Regierung "goldene Aktien" erhalten, um ihre Interessen zu wahren. Damit wollen sich die Konzerne gegen feindliche Übernamen wappnen.