Schlechte Nachrichten für die Aktionäre am Tag der Hauptversammlung: Der Quartalsgewinn knickt wegen hausgemachter Probleme ein. Aber auch die Zahl der Neuaufträge sinkt. Der Vorzeige-Konzern spürt die Abkühlung der Weltwirtschaft.
Erste Anzeichen von Schwäche bei Siemens: Der Gewinn des Münchner Konzerns ist im vergangenen Vierteljahr geschrumpft. Das Ergebnis nach Steuern des ersten Geschäftsquartals 2011/12 ging im Jahresvergleich um 17 Prozent auf 1,46 Mrd. Euro zurück.
Anleger sehen bei Siemens stets genau hin. Denn das Unternehmen gilt als Industrieflaggschiff der deutschen Wirtschaft und Indikator für den Zustand der Konjunktur.
Zeitstrahl: Affären und Sternstunden bei Siemens
Die vergleichsweise schwachen Quartalszahlen sind vor allem ein Resultat hausgemachter Probleme. Denn besonders die hohen Sonderlasten von gut 200 Mio. Euro aus einem missratenen Projekt zur Anbindung eines Windparks auf See verdarben den Münchnern den Jahresauftakt.
Die Daten zeigen aber auch, dass es der zuletzt erfolgsverwöhnte Konzern es in nächster Zeit schwerer haben wird: Das Volumen neuer Aufträge sank um fünf Prozent auf 19,8 Mrd. Euro. Der Umsatz dagegen legte - dank eines dicken Auftragspolsters aus dem Vorjahr - noch leicht zu um zwei Prozent auf 17,9 Mrd. Euro zu.
Aktie verliert deutlich
An der Börse kam die Entwicklung nicht gut an: Die Siemens-Aktie gab gut drei Prozent nach und zog den Leitindex DAX mit sich. "Das Ergebnis der operativen Segmente ist eine klare Enttäuschung", urteilte DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger.
Das lag wohl auch daran, wie Siemens-Chef Peter Löscher die Zukunft sieht: Der Manager verwies bei den Zahlen auf die abkühlende Weltkonjunktur. "Die Unsicherheiten der anhaltenden Schuldenkrise haben auch in der Realwirtschaft Spuren hinterlassen", sagte der Vorstandschef vor dem Beginn der Hauptversammlung. Diese startet am Dienstagvormittag in München.
Dennoch bekräftigte Löscher trotz der Sorgen die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. "Wir halten ganz klar an unseren Zielen fest", sagte der Siemens-Chef in einem Interview mit Bloomberg-TV. Demnach peilt sein Unternehmen einen Gewinn aus fortgeführten Geschäft von 6 Mrd. Euro an. Allerdings sagte Löscher auch: "Auch wenn in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung erwartet wird, müssen wir hart arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen."
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