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Merken   Drucken   28.08.2009, 12:11 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Roubini befürchtet zweite Weltrezession  

Die Konjunktur erholt sich langsam, doch Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung ist fehl am Platz. Der Weltwirtschaft drohen mehrere Jahre mit kraftlosem Wachstum, ist sich der US-Starökonom sicher. von Nouriel Roubini
Nouriel Roubini ist Professor für Ökonomie an der Stern School of Business in New York.
Allmählich findet die Weltwirtschaft aus der Talsohle der schlimmsten Rezession seit der Großen Depression heraus. Jetzt stellen sich drei Fragen: Wann wird die weltweite Rezession vorüber sein? Welche Form wird die Erholung annehmen? Und besteht das Risiko eines Rückfalls?
Auf die erste Frage lässt sich antworten, dass es aussieht, als werde die Weltwirtschaft in der zweiten Hälfte 2009 die Talsohle überwinden. In vielen Industrienationen - den USA, Großbritannien, Spanien, Italien und anderen Staaten der Euro-Zone - und in einigen Schwellenmärkten vor allem in Europa wird die Rezession nicht vor Ende des Jahres zu Ende sein. In anderen Industrienationen wie Australien, Deutschland, Frankreich und Japan sowie in den meisten Schwellenmärkten hat die Erholung bereits begonnen.
In der Debatte über die zweite Frage stehen sich zwei Lager gegenüber: Der Großteil der Experten geht von einer V-förmigen Erholung mit rascher Rückkehr zum Wachstum aus. Das andere Lager, mich eingeschlossen, glaubt, dass die Erholung einige Jahre U-förmig, kraftlos und unterhalb des Trends verlaufen wird. Zuvor wird über einige Quartale rasches Wachstum verzeichnet, angekurbelt durch das Auffüllen von Lagerbeständen.
Sieben Gründe gegen das V
Für eine schwache U-förmige Erholung sprechen mehrere Argumente. 2010 wird in vielen Industrieländern die Arbeitslosenquote über zehn Prozent liegen. Das ist nicht nur eine schlechte Nachricht für die Nachfrage und die Verluste der Banken, sondern auch für die Fachkenntnisse der Arbeiter - ein Schlüsselfaktor für das Wachstum der langfristigen Arbeitsproduktivität. Zweitens ist dies eine Krise der Zahlungsfähigkeit, nicht nur der Liquidität. Ein wirklicher Abbau der Schulden hat noch nicht begonnen, weil die Verluste der Finanzinstitute verstaatlicht und in die Bilanzen der Regierungen verschoben wurden. Das begrenzt die Fähigkeit der Banken, Kredite zu vergeben, die Fähigkeit der Haushalte, Geld auszugeben, und die Fähigkeit der Unternehmen zu investieren.
Drittens müssen die Verbraucher in Ländern mit Leistungsbilanzdefizit die Ausgaben zurückfahren und viel mehr sparen. Dennoch steht verschuldeten Verbrauchern aufgrund fallender Hauspreise und Aktienmärkte sowie schrumpfender Einkommen und Beschäftigungszahlen ein Schock bevor.
Viertens ist das Finanzsystem immer noch erheblich beschädigt. Ein Großteil des Schattenbankensystems ist verschwunden. Zudem sind traditionelle Banken belastet mit Abermilliarden Dollar zu erwartenden Verlusten auf Kredite und Wertpapiere, während sie immer noch stark unterkapitalisiert sind.
  • Aus der FTD vom 28.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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