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Merken   Drucken   09.06.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Börsenaufsicht: Richard Breeden - Eine Walregel gegen Spekulanten

Kommentar Kollosale, aber unsichtbare Risikopositionen wie bei JP Morgan lassen sich nicht durch noch mehr Aufsicht verhindern. Nötig ist vielmehr, sie transparent zu machen.
von Richard Breeden

Richard Breeden ist Chairman von Breeden Capital Management. Von 1989 bis 1993 hat er die US-Börsenaufsicht geleitet.


Kurz nachdem Gerüchte aufkamen, ein "Londoner Wal" habe gewaltige und riskante Positionen angehäuft, verkündete die US-Bank JP Morgan Chase , sie habe mit Hedging-Geschäften 2 Mrd. Dollar Verlust gemacht. Bankchef Jamie Dimon bezeichnete dies zu Recht als "nachlässig" und "dumm". Die US-Börsenaufsicht SEC und das FBI ermitteln. Die SEC kann und sollte die Pflichtmitteilungen der Bank überprüfen, aber wollen wir hoffen, dass Verluste einzufahren und Dummheit keine Verbrechen werden.

Richard Breeden   Richard Breeden

So mancher hat den Zwischenfall bereits genutzt, eine strengere Regulierung zu fordern. Andere werden garantiert sagen, der Fall zeige, den Aufsichtsbehörden mangele es an Ressourcen für eine Überwachung. Wenn wir die Fakten kennen, werden wir vielleicht zu dem Schluss kommen, dass einiges besser gemacht werden kann. Aber erst zu schießen und dann zu zielen sollte nicht unser Ansatz sein. Die Wirtschaft mit wirkungslosen Regeln zu überfrachten, nur damit wir geschäftig aussehen? Die Öffentlichkeit hat Besseres verdient.

Einfacher und effektiver wäre eine "Walregel", die vorschreibt, dass "Walpositionen" - also riesige Handelsposten vielleicht mit mehr als 25 Mrd. oder 50 Mrd. Dollar brutto - beispielsweise innerhalb von 48 Stunden publik gemacht werden müssen. Ausgenommen sein sollten Positionen in US-Treasuries.

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Der Markt sollte nicht mit Details über kleinere Positionen überflutet werden (ohnehin sollten die vertraulich bleiben). Eine Walregel würde den Markt mit Einzelheiten über gewaltige Handel durch regulierte Banken versorgen. Etwas Ähnliches passiert schon beim persönlichen Wertpapierhandel von Führungskräften, Boardmitgliedern oder Alleineignern börsennotierter Unternehmen: Sie müssen der SEC Transaktionen innerhalb von zwei Tagen anzeigen.

Mit dieser Regel soll gewährleistet werden, dass Firmenchefs, Aufsichtsbehörden und Anleger über gewaltige Wetten Bescheid wissen. Nicht nur würden sie Dinge herausfinden, die sie wissen sollten, darüber hinaus müsste auch der Staat kein Personal dafür einstellen, mehr Regeln durchzusetzen. Die US-Bankenaufsicht OCC und die Notenbank Fed haben schon jetzt Heerscharen von Menschen dauerhaft in den größten US-Banken stationiert und ihnen die Befugnis gegeben, alle Tätigkeiten zu stoppen, die ihnen "unsicher und heikel" erscheinen. Wenn sie auf den JP-Morgan-Chase-Wal nicht reagiert haben, gibt es nur wenig Grund zur Annahme, dass es sinnvoll wäre, denselben Menschen noch mehr Regeln vorzugeben.

Welche Gefahren Überregulierung birgt, zeigt sich an einem umfassenden Anstieg der Regulierungskosten und -lasten im Dodd-Frank-Gesetz. Dieses gibt der Fed die Befugnis, außerhalb des Banksystems stehende "systemisch wichtige Finanzinstitute" - Englisch kurz "Sifi" genannt - zu prüfen und zu regulieren. Das Gesetz ist gut gemeint, wird sich aber als sehr kostspielig erweisen. Wenn es der Fed nicht gelungen ist, einen Londoner Wal in einer Bank zu stoppen, die sie in- und auswendig kennt, welchen Grund gibt es dann zur Annahme, sie könne Risiken bei General Electric, Fidelity oder anderen Sifis erkennen oder gar kontrollieren?

Dodd-Frank wird außerhalb des Bankenwesens für mehr Bürokratiekosten und für größeren Risiken sorgen. Lässt sich das wirklich mit mehr Schutz für die Öffentlichkeit rechtfertigen? Wir würden genauso viel erreichen, wenn wir die Regulierung der Sifis bleiben ließen und die Banken einfach anwiesen, mehr Kapital zurückzulegen, liquider zu sein und stärker zu diversifizieren.

Für unsere Wirtschaft ist Risikobereitschaft essenziell, die Kapitalmärkte funktionieren ohne sie nicht. Große Institute wie JP Morgan Chase machen sehr große Gewinne und können gelegentlich auch schon einmal sehr große Verluste einfahren. Die Kapitalreserven von JP Morgan Chase sind dazu da, Verluste aus dem Kreditgeschäft oder aus Transaktionen zu absorbieren, und bis zu einem gewissen Grad ist das alles normal.

Natürlich schadet es nicht, wenn die SEC sich mal die Pflichtmitteilungen eines Unternehmens in aller Ruhe ansieht, aber große Handelsverluste sind nicht zwingend ein Grund für strafrechtliche Ermittlungen oder einen großen Rummel in aller Öffentlichkeit.

Quelle: The Financial Times

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