FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Gerhard Schick - Bankenunion im Interesse der Steuerzahler
Merken   Drucken   12.06.2012, 10:46 Schriftgröße: AAA

Europäische Einlagensicherung: Gerhard Schick - Bankenunion im Interesse der Steuerzahler

Kommentar Die Rettung grenzüberschreitend tätiger Kreditinstitute wird durch einen europäischen Ansatz günstiger. Eine Replik auf Sparkassenchef Georg Fahrenschon.
von Gerhard Schick

Gerhard Schick ist finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.


Vertreter der Koalitionsfraktionen lehnen die Idee der Bankenunion noch ab. Und Sparkassenchef Georg Fahrenschon befürchtete in dieser Zeitung Wettbewerbsverzerrungen, wenn es zur europäischen Einlagensicherung käme. Doch die Diskussion um die Notwendigkeit, die Euro-Zone zu einer Bankenunion fortzuentwickeln, gewinnt an Fahrt. Offen werben EZB, IWF und auch die deutschen Wirtschaftsweisen dafür, das US-Vorbild FDIC auf Europa zu übertragen. Diese Institution verbindet Kompetenzen zur Restrukturierung von Banken mit einer Einlagensicherung und wird über eine Bankenabgabe finanziert.

Gerhard Schick ist finanzpolitischer Sprecher der ...   Gerhard Schick ist finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion

Inzwischen scheint auch die Kanzlerin von der Notwendigkeit überzeugt - leider sehr spät. Als es 2008 um die Bankenrettung in Europa ging, lehnte die Bundesregierung den französischen Vorschlag für einen europäischen Bankenfonds ab.

Auch eine erneute Initiative des Europäischen Parlaments 2010 wurde im Rat blockiert. Zum Schaden der europäischen Steuerzahler, auch der deutschen.

Wie beurteilen Sie das Image der Großbanken?

 

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Denn erstens wäre die Rettung grenzüberschreitend tätiger Großbanken bei einem europäischen Ansatz günstiger gewesen. Nicht nur musste mit deutschen Steuermilliarden 2008 die irische HRE-Tochter Depfa gerettet werden, die aufgrund ihres riesigen Schuldenhebels von eins zu 125 und extremer Fristentransformation ursächlich für die Schieflage der HRE war. Vielmehr wäre die Abwicklung der HRE auch billiger gewesen, wenn nicht unterschiedliche Rechtsgrundlagen in Deutschland und Irland die Abwicklung erschwert hätten.

Durch die Hilfskredite für Irland, Griechenland und Spanien steht nun der deutsche Steuerzahler auch bei der Rettung der Banken dieser Länder im Risiko. Auch diese Rettungsaktionen werden deutlich teurer als nötig, weil sie zu spät erfolgen und eine erneute Zuspitzung der Finanzkrise ausgelöst haben. Vor allem aber auch, weil eine Gläubigerbeteiligung jeweils aus Angst vor Ansteckungseffekten verhindert wird. Bei einem gesamteuropäischen Ansatz wäre eine Beteiligung nachrangiger Gläubiger möglich, die Kosten für die Steuerzahler in Europa damit geringer gewesen.

Zweitens bedroht die nationale Bankenrettung die Funktionsweise des Binnenmarkts. Die national organisierte Bankenrettung führt zu einer Renationalisierung von Banken und Finanzmärkten, dabei ist gerade die deutsche Exportwirtschaft auf einen funktionierenden Finanzbinnenmarkt angewiesen.

Eine Börsensteuer wäre ...

 

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Drittens erfolgte ein Großteil der Hilfen für südeuropäische und irische Banken in den letzten Monaten über die EZB, die mangels europäischem Bankenrestrukturierungsfonds einsprang, um einen Kollaps des europäischen Bankensystems zu verhindern. Damit kommt es bereits zu der Übernahme von europäischen Bankenrisiken in erheblichem Umfang auch durch den deutschen Steuerzahler - angeblich soll das für die Zukunft vermieden werden. Vor allem aber hätten bei einer Fondslösung, anders als bei der EZB-Bankenrettung, Auflagen und Gegenleistungen durchgesetzt werden können.

Derzeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass die EZB-generierten Zinsgewinne gleich wieder als Dividenden oder Boni ausgeschüttet werden. Parlamentarische Kontrolle und Transparenz? Fehlanzeige. Griechische, portugiesische, irische, spanische und zyprische Banken werden mit europäischem Geld gerettet, ohne dass die Eigentumsrechte an diesen Banken auf diejenigen übergehen, die das Geld bereitstellen - die europäischen Steuerzahler. Diese Art der Bankenrettung ist schlechter als eine europäische Bankenunion für systemrelevante Großbanken.

Eine europäische Einlagensicherung könnte bald das einzige verbliebene Mittel sein, das die Kapitalflucht aus den Krisenländern noch stoppen kann. Hauptgrund dieser Kapitalflucht ist die Unsicherheit darüber, ob in allen Mitgliedsstaaten die Währungsunion erhalten bleibt. Daran ändert auch die Rettungsaktion für die spanischen Banken nichts. Diese Kapitalflucht ist die heftigste Wettbewerbsverzerrung auf dem europäischen Markt. Wichtig ist aber, dass eine Bankenunion zügig auf den Weg gebracht und von Anfang an stabil aufgestellt wird.

  • FTD.de, 12.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 13.06.2012 06:54:34 Uhr   Teufelstein: Das Interesse der Steuerzahler

    Da lachen ja die Hühner, dass die Legebatterie wackelt. Was hat der Steuerzahler eigentlich mit dem Geschäftgebahren von Banken zu schaffen? Mit Banken die noch vor ein paar Jahren die Nase über das piefige Privatkundengeschäft gerümpft und ihre Geschäfte vorzugsweise in Steueroasen ausgelagert haben.
    Eine unerträgliche Provokation.

  • 12.06.2012 12:44:24 Uhr   carsten fischer: Schon erstaunlich ...
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




 

Kennen Sie Skandalbanken und Bankenskandale?

Banken legen Wert auf Seriösität - werden aber immer wieder von Skandalen umrankt. Manche Bank legte eine spektakuläre Pleite hin. Kennen Sie sich aus in der schrägen Welt der Hochfinanz?

Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper sorgte 1994 für das Unwort des Jahres, als er die Schulden an Kleinunternehmen, die der Pleitier Jürgen Schneider angehäuft hatte, verbal abtat. Mit welchem Naturprodukt verglich er sie?

Alle Tests

 
Solitär der Mächtigen

Das Kartenspiel Solitär sorgt oft für die kleine Entspannung zwischendurch. Anlass für uns, eine FTD.de-Version an den Start zu schicken - mit Banker-Buben, reizenden Politiker-Damen und einflussreichen Königs-Ökonomen. mehr

Banken Info
  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler