Der Staatsfonds von Singapur, Temasek, übernimmt einen Teil der Beteiligung von Goldman Sachs an der Industrial & Commercial Bank of China (ICBC). ICBC ist die nach Marktwert weltgrößte Bank und auch eine der profitabelsten.
Die staatliche Investmentgesellschaft aus Singapur teilte mit, sie erwerbe 3,55 Milliarden oder vier Prozent der in Hongkong gehandelten Aktien. Damit erhöht sich der Anteil an der Bank auf 5,3 Prozent. Goldman Sachs verkauft Aktien im Wert von 2,5 Mrd. Dollar zu einem Preis von 5,05 Hongkong-Dollar je Stück und damit für weniger als den aktuellen Kurs, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Goldman gewährt dem Staatsfond einen Abschlag von gut drei Prozent auf den aktuellen Aktienkurs. Temasek muss nur für die Papiere 2,3 Mrd. Dollar zahlen.
Goldman Sachs verkauft in der Transaktion rund 40 Prozent ihrer Beteiligung an ICBC. Es ist das vierte Mal, dass sich das Haus von einem Teil seiner ICBC-Aktien trennt. Goldman hielt zum 31. Dezember 8,78 Milliarden ICBC-Aktien. Die fünftgrößte US-Bank bleibt auch nach dem Verkauf der zweitgrößte Aktionär von ICBC, basierend auf den Angaben zu den in Hongkong notierten Aktien. Goldman hatte seinen Anteil an der Bank vor dem Börsengang 2006 erworben. Es wird damit gerechnet, dass sich das Haus auf absehbare Zeit ganz von seinem Investment verabschiedet. Insgesamt hatten westliche Großbanken in den Jahren 2004 bis 2006 22 Mrd. Dollar für Beteiligungen an damals noch nicht börsennotierten chinesischen Banken ausgegeben.
Im vergangenen Jahr bescherte die ICBC-Beteiligung dem amerikanischen Institut einen Vorsteuerverlust von 517 Mio. Dollar. 2010 hatte die Bank mit dem 2006 erworbenen Aktienpaket noch 747 Mio. Dollar verdient.
Temasek verwaltet insgesamt 193 Mrd. Singapur-Dollar (118 Mrd. Euro). Die Investmentgesellschaft hatte zuletzt bereits ihre Beteiligungen an der China Construction Bank und der Bank of China erhöht. Sie hatte angekündigt, ihre Beteiligungen im chinesischen Bankensektor aufstocken zu wollen. Sie kaufte die Anteile vor allem bei westlichen Großbanken, die sich derzeit stückweise von ihren Chinabeteiligungen trennen. Sandy Mehta, Chef des Investmentunternehmens Value Investment Principals aus Hongkong, sagte Bloomberg: "Das ist ein Trend, der sich weiter fortsetzen wird." Erst in der vergangenen Woche verkaufte Citigroup ihren Anteil an der Shanghai Pudong Development Bank, im vergangenen November trennte sich die Bank of America von einem Großteil ihrer Aktien der China Construction Bank .
Michael Werner, Bankanalyst bei Sanford Bernstein, sagte Bloomberg, dass sich die Häsuer vor allem wegen neuer Kapitalanforderungen von ihren Investments trennen. Goldman beispielsweise habe den Anteil an der ICBC erworben, als das Haus noch eine Investmentbank und keine Universalbank war. Durch diese 2008 erfolgte Umwandlung seien jedoch höhere Kapitalanforderungen erforderlich, wodurch der Anteil weniger attraktiv sei.