Die großteils verstaatlichte Royal Bank of Scotland rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr stand unter dem Strich ein Verlust von 2 Mrd. Pfund (2,36 Mrd. Euro). Das ist fast doppelt so viel, wie Analysten erwartet hatten. Im Vorjahr hatte das Geldinstitut ein Minus von 1,12 Mrd. Pfund verbucht. Vor Steuern lag der Verlust 2011 bei 766 Mio. Pfund, im Vergleich zu 399 Mio. Pfund im Jahr davor. 2011 war das vierte Jahr in Folge mit roten Zahlen für die Bank. Insgesamt wurde in diesem Zeitraum ein Minus von 31 Mrd. Pfund angehäuft.
Alleine im Schlussquartal 2011 wies das Institut einen Fehlbetrag von 1,8 Mrd. Pfund aus. Im dritten Quartal hatte die Bank einen Gewinn in Höhe von 1,2 Mrd. Pfund geschafft. Grund für die schwächere Entwicklung waren Abschreibungen auf Vermögenswerte sowie Kosten für den Umbau der Bank.
Allerdings trägt ein 850-Mio.-Pfund-Vergleich kräftig zu dem Verlust bei. Diese Summe muss die Bank zahlen, weil sie Kunden unrechtmäßig Restschuldversicherungen verkauft hatte. Der Verlust der irischen Tochter Ulster Bank stieg auf 1,02 Mrd. Pfund. 2010 hatte der Verlust 760 Mio. Pfund betragen. Zudem belasteten Abschreibungen auf Papiere europäischer Schuldenstaaten die Bank im Jahr 2011 mit 1,1 Mrd. Pfund. Ein Großteil der Verluste wurde im Investmentbanking angehäuft.
Dennoch stellte die Bank 390 Mio. Pfund an Boni für die Investmentbanker beiseite, 58 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Durchschnitt erhält jeder Angestellte der Investmentbank damit 22.941 Pfund. Insgesamt sank der Bonuspool um 21 Prozent auf 985 Mio. Pfund. Vorstandschef Stephen Hester musste auf öffentlichen Druck hin auf seinen Bonus von 963.000 Pfund verzichten.
Hester hatte einmal über seine Aufgabe, die Bank wieder in die Spur zu bringen, gesagt, dies sei wie "die größte Zeitbombe der Geschichte zu entschärfen". Der Manager seit 2008 im Amt - hat der Bank 2008 einen Radikalschnitt verordnet. Die Zahl der Angestellten sank um 35.000, die Summe der Vermögensanlagen schrumpfte um 700 Mrd. Pfund. "Wir haben drei Aufgaben zu erfüllen", sagte Hester. "Wir müssen unsere Kunden unterstützen, die Risiken unserer Altlasten entschärfen und wieder eine profitable Bank aufbauen." 2011 sieht er Fortschritte hinsichtlich aller drei Ziele.
Die Royal Bank of Scotland, die nach einer 46-Mrd-Rettungsaktion im Jahr 2008 zu mehr als 80 Prozent dem britischen Steuerzahler gehört, zählt mit einer Bilanzsumme von 977 Mrd. Pfund noch immer zu den größten Geldinstituten Europas. Mit einer Kernkapitalquote von 10,6 Prozent erfüllt sie die Vorgaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA).