Kaum je zuvor wurde David Shapiro so gegrillt wie bei Bosch, dem konservativen Zulieferkonzern. "Wir stellten Bosch ganz genau vor, wie ein unabhängiges Basisbremsengeschäft aussehen würde", erzählt der Mitgründer des US-Finanzinvestors KPS Capital Partners. Sogar Referenzen holte Shapiro ein, von den Chefs aktueller und früherer Portfoliofirmen, von deren Verkäufern, Gewerkschaften, Bankern und Anwälten. "Es war wie ein sechsmonatiges Job-Interview", ergänzt sein Deutschland-Statthalter Florian Almeling. Am Ende lobten die Bosch-Leute, KPS sei gar nicht wie ein typischer Private-Equity-Fonds, "eher wie ein industrieller Investor". Ein größeres Kompliment dürfte es für die Investoren kaum geben.
Das war im Januar 2012. Seither hat KPS zwei weitere Firmen gekauft: von Daimler übernahm der Investor das ertragsschwache US-Geschäft der Setra-Reisebusse, von ThyssenKrupp die US-Eisengießerei Waupaca. Drei Käufe von deutschen Konzernen, das gelang keinem anderen Investor in den vergangenen anderthalb Jahren. Das Gros der Branche beklagt, dass die meisten deutschen Konzerne im Geld schwimmen und kaum Teile verkaufen. Jedenfalls keine gesunden.
KPS zählt zu der kleinen Gruppe von Beteiligungsfirmen, die vor Sanierungsfällen und Käufen aus der Insolvenz nicht zurückschrecken. Anders als manche Restrukturierungsholding nimmt KPS dafür Geld in die Hand, wie Shapiro betont. Die 200 Mio. Euro für Boschs ertragsschwaches Basisbremsengeschäft finanzierte KPS mit Eigenkapital. Für Waupaca wird der Preis geheim gehalten, er dürfte aber in der Größenordnung von 500 Mio. Euro gelegen haben: Allein das Schuldenpaket zur Kaufpreisfinanzierung umfasste schon 360 Mio. Dollar (300 Mio. Euro).
Den erfolgreichen Start kann Shapiro selbst kaum fassen: "Wenn man mir vor zwei Jahren gesagt hätte, dass wir Deals mit diesen drei sehr prominenten deutschen Unternehmen abschließen würden, hätte ich gesagt: Einer wäre schon gut." Wie drei "Gütesiegel" seien diese Käufe. KPS fokussiert sich auf Firmen mit industrieller Produktion und versucht sie mit operativen Verbesserungen und Akquisitionen zu stärken. Gern in enger Kooperation mit dem Verkäufer - wie bei Bosch: KPS übernimmt mit der Basisbremsensparte nicht nur Kundenverträge, sondern auch Fabriken an Bosch-Standorten. Die Basisbremsen sind Teil des gesamten Bremssystems von Bosch. "Wir werden noch Jahre zusammenarbeiten", sagt Shapiro.
KPS agiere bei der Finanzierung vorsichtig: "Wir verschulden unsere Unternehmen selten mit mehr als dem dreifachen Ebitda." Die Praxis, Portfoliofirmen neue Schulden aufzuladen um sich Dividenden auszuzahlen, pflegt auch KPS. Damit realisiere KPS nur Werte, die man vorher gesteigert habe, argumentiert der 50-Jährige.
"Sehen Sie uns nicht als Wall Street Guys!", sagt er. Tatsächlich waren die KPS-Gründer Shapiro und Michael Psaros nur wenige Jahre Wall-Street-Banker, bevor sie 1991 ihre eigene Firma aufbauten: eine Beratung, die Gewerkschaften bei Private-Equity-Investments unterstützte. 1997 entschieden sie, künftig selbst zu investieren, und sammelten 200 Mio. Dollar für einen ersten Fonds ein.
KPS' aktueller Fonds umfasst 2 Mrd. Dollar. 2013 müssen die KPS-Partner wieder auf Werbetour zu ihren Investoren. Davor ist Shapiro nicht bange. "Mit unseren Renditen zählen wir zu den besten fünf Prozent." Auch dass die Amerikaner ihr einziges Büro außerhalb New Yorks ausgerechnet in Frankfurt aufmachten, war gut überlegt. Einfach nach London zu gehen kam für KPS nicht infrage. "Wir analysierten vielmehr, welcher der Märkte in Europa am besten zu uns passt", sagt Shapiro. In Deutschland lockte KPS nicht nur die industrielle Expertise. Shapiro lobt auch den relativ verlässlichen Rechtsrahmen bei Restrukturierungen.
| Schlag auf Schlag |
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| Bosch Im Januar 2012 vereinbarte KPS Capital Partners mit dem Stuttgarter Zulieferkonzern Bosch die Übernahme des margenschwachen Basisbremsengeschäfts. Für die Sparte mit knapp 1 Mrd. Euro Umsatz und 5200 Mitarbeitern zahlte der US-Investor Finanzkreisen zufolge 200 Mio. Euro. |
| Daimler Im April 2012 kündigte die KPS-Portfoliofirma Motor Coach Industries International (MCI) den Kauf von Daimlers Geschäft mit den Setra-Reisebussen in den USA an. Im Gegenzug übernahm der Stuttgarter Autokonzern eine Minderheit am Reisebushersteller MCI. Finanzdetails wurden nicht mitgeteilt. |
| ThyssenKrupp Im Mai 2012 unterschrieb der Investor den Erwerb der führenden US-Eisengießerei Waupaca vom kriselnden Essener Stahlkonzern ThyssenKrupp. Der Preis für die profitable Firma mit 1,1 Mrd. Euro Umsatz und 3500 Mitarbeitern ist geheim, dürfte aber in der Größenordnung von 500 Mio. Euro gelegen haben. |