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Merken   Drucken   22.08.2012, 10:33 Schriftgröße: AAA

Immobilienkonzern: IVG steigt in Windenergie ein

Exklusiv Deutschlands ehemals größter Immobilienkonzern will neue Investorengruppen erreichen. Büroimmobilien rücken bei der IVG in die zweite Reihe - Windkraft drängt sich in den Vordergrund.

Der neue Chef der IVG will den einst größten deutschen Immobilienkonzern breiter aufstellen und in die Windenergie einsteigen. "Wir werden uns vom reinen Büroimmobiliengeschäft wegbewegen", sagte Wolfgang Schäfers, seit Ende 2011 Vorstandssprecher des Bonner Unternehmens, im Gespräch mit der FTD. Derzeit tüftelt Schäfers mit Deutschlands größtem Windenergieanlagenbauer Enercon die erste große Investition in einen Windkraftpark aus.

"Wir planen, zusammen mit einem strategischen Partner auf einem Grundstück der IVG einen Windpark zu errichten", sagte Schäfers, der zuvor IVG-Finanzchef war. Das Projekt solle ein hohes zweistelliges bis niedriges dreistelliges Millionen-Euro-Volumen erreichen. Die IVG könnte sich mit 50 Prozent beteiligen. Nach Abschluss von Genehmigungsverfahren soll es 2014 losgehen.

Die IVG plant eine Investition in einen Windpark   Die IVG plant eine Investition in einen Windpark

Damit begibt sich die IVG, die in der Finanzkrise durch überwiegend fremdfinanzierte Büroimmobilienkäufe und Projektentwicklungen nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt war, auf neues Terrain: Statt selbst im großem Stil Bürogebäude zu bauen und zu vermieten, will Schäfers vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren und gleichzeitig Zugang zu einer neuen Investorengruppe bekommen. Das fügt sich in die Strategie der IVG, als Unternehmen mit der eigenen Bilanz weniger ins Risiko zu gehen und als Kapitalsammelstelle mehr Geld von Anlegern einzuwerben. Ob die IVG den geplanten Windpark tatsächlich in einen Fonds einbringen werde, sei noch offen, sagte Schäfers. Zunächst werde so das eigene Grundstück veredelt.

Mehr stetige Erträge, wie sie die IVG aus dem Immobilienfondsgeschäft und mit unterirdischen Öl- und Gasspeichern (Kavernen) erzielt, kann der SDAX-Konzern gut gebrauchen: "Wir sind gerade dabei, von der Intensivstation auf die Normalstation zu wechseln", sagte Schäfers. Seine defizitäre Firma konnte bislang nicht einmal die Darlehenszinsen aus den operativen Einnahmen bestreiten, weil sie so verschuldet ist. Immobilien, die auf der eigenen Bilanz lasten, werden deshalb weiterverkauft, die Projektentwicklungen zurückgefahren.

Schäfers-Vorgänger Gerhard Niesslein musste sich noch voll auf den größten IVG-Problemfall The Squaire am Frankfurter Flughafen konzentrieren: Die Kosten für den Bau, dessen Fläche 18 Fußballfeldern entspricht, waren explodiert und Großmieter nur schwer zu finden.

Mittlerweile ist das gläserne Gebäude laut Schäfers zu 86 Prozent vermietet und soll in einen Fonds gepackt und an Investoren verkauft werden, während die IVG weiter Verwalter der Immobilie bleibt. "So könnten wir daran beteiligt bleiben und gleichzeitig an den Gebühren verdienen", sagte Schäfers. Bis dahin muss er aber noch die Bankfinanzierung über knapp 500 Mio. Euro sichern, die Ende 2013 ausläuft. "Wir sind mit mehreren deutschen Banken im Gespräch", sagte er.

Dass dabei alles nach Plan verläuft, ist für die IVG äußerst wichtig. Denn mit dem Verkaufserlös will das Unternehmen nicht nur gebundenes Eigenkapital freisetzen, sondern auch eine Wandelanleihe über 400 Mio. Euro zurückzahlen, die im März 2014 gekündigt werden kann. Dass die Anleihegläubiger ihr Kapital in IVG-Aktien wandeln, ist angesichts des niedrigen Kurses unwahrscheinlich.

Die IVG-Eigner sind bereits arg gebeutelt. Der Aktienkurs dümpelt nach seinem Höchststand von knapp 35 Euro im Jahr 2007 nun bei 2 Euro. Die Firma flog aus dem MDAX  in den Kleinwerteindex SDAX . Eine Dividende zahlt die IVG schon lang nicht mehr. Ende 2011 pumpte das Unternehmen die Aktionäre auch noch um 145 Mio. Euro neues Kapital zu einem Preis von nur 2,10 Euro je Aktie an.

Auch die Gläubiger einer Hybridanleihe mussten bluten, als die IVG dieses Jahr die Zinszahlung von 32 Mio. Euro aussetzte. In der kritischsten Phase des Unternehmens wäre es für den Kapitalmarkt ein fatales Zeichen gewesen, Anleihegläubiger nicht zu bedienen, sagte Schäfers. "Unser Ruf ist nun wieder viel besser als vor ein oder zwei Jahren."

Sparen muss Schäfers auch, 50 bis 60 von 590 Stellen werden bei Fluktuation nicht wieder besetzt. Bei seinen Projekten sei ihm eines wichtig: "Ich möchte nicht den Fehler der Vergangenheit wiederholen und gleich Milliardensummen in neue Projekte stecken." Wolfhard Leichnitz war von 2006 bis 2009 IVG-Chef - und derjenige, der so groß ins Projektentwicklungsgeschäft eingestiegen war.

  • Aus der FTD vom 22.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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