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Merken   Drucken   20.06.2012, 14:47 Schriftgröße: AAA

Formel-1-Prozess gegen Ex-BayernLB-Vorstand: Gribkowsky gesteht Bestechung

Gerhard Gribkowsky soll 44 Mio. Dollar Bestechungsgeld von Bernie Ecclestone beim Verkauf der Formel 1 angenommen haben - und bricht erst am letzten Verhandlungstag sein Schweigen. Ecclestone fühlte sich vom damaligen BayernLB-Vorstand massiv bedroht und zahlte.

Kurz vor Ende des Prozesses am Münchner Landgericht hat Gerhard Gribkowsky doch noch ausgesagt. Der ehemalige BayernLB-Manager sagte am Mittwoch, dass die Vorwürfe "im Wesentlichen stimmen". Ihm wird vorgeworfen, beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank an Bernie Ecclestone Bestechungsgeld erhalten zu haben.

Der wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung angeklagte frühere Vorstand der Landesbank hatte sich seit seiner Verhaftung im Januar 2011 nicht zu den Vorwürfen geäußert. Bei der jüngsten Sitzung am vergangenen Freitag hatte die Verteidigung um eine Unterbrechung gebeten, um mit der Staatsanwaltschaft sprechen zu wollen.

Gribkowsky war von 2003 bis 2008 im Vorstand von Deutschlands zweitgrößter Landesbank und dort unter anderem für die Formel-1-Beteiligung zuständig, die der BayernLB nach der Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch als Sicherheit für einen Milliardenkredit zugefallen war. Der Motorsportfan verkaufte das Paket schließlich 2006 an den britischen Investor CVC. Im Zuge des Deals soll er vom langjährigen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Schmiergelder in Millionenhöhe erhalten haben.

CVC als Miteigentümer war Ecclestone offenbar genehm. Gribkowsky soll deren Offerte daher in der BayernLB durchgeboxt haben, ohne Alternativen zu prüfen. Dabei soll der Bank ein Schaden von gut 66 Mio. Dollar entstanden sein.

Ecclestone fühlt sich bedroht

Formel-1-Manager Ecclestone hatte bereits im vergangenen November ausgesagt, er habe sich von Gribkowsky bedroht gefühlt und das Problem mit Millionenzahlungen lösen wollen. "Herr Gribkowsky war sehr gut darin, mich subtil zu bedrohen und in Angst zu versetzen", hatte der 81-Jährige in seiner Zeugenaussage vor dem Landgericht München gesagt. Er sei in seinem Leben zwar schon mehrfach bedroht worden. "Aber so noch nie."

Aus Sorge vor einer Anzeige bei den Steuerbehörden habe er Gribkowsky deshalb Millionen gezahlt. "Wenn Sie jemand in liebenswürdiger Weise bedroht, dann muss man die Bedrohung aus der Welt schaffen", sagte er. Die Anklage äußerte damals Zweifel an seinen Äußerungen.

Ecclestones Anwalt Sven Thomas reagierte auf die Aussagen von Gribkowsky mit einer Presseerklärung. Gribkowsky habe erst gestanden, nachdem das Gericht eine weitreichende Verurteilung angekündigt hatte: "Es erstaunt somit nicht, dass Erwägungen für den Inhalt der Erklärung eine Rolle gespielt haben dürften, die nicht von der Wahrheitsfindung bestimmt waren." Thomas schreibt weiter, in verschiedenen Verfahren der letzten Jahre seien "Geständnisse" mit einer Belastung Dritter abgegeben worden, "die sich später - in Folgeverfahren - als haltlos herausstellten". Ein Beispiel dafür nennt Thomas nicht.

Gribkowsky droht nun trotz des späten Geständnisses eine lange Haftstrafe. Das Landgericht München kündigte am Mittwoch an, in dem Verfahren eine Strafe zwischen sieben Jahren und zehn Monaten bis zu neun Jahren zu verhängen. Dies gelte selbst, wenn der Angeklagte die Vorwürfe einräume.

Neben dem Strafprozess muss sich Gribkowsky auch in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht München verantworten: Die BayernLB wirft ihm und anderen Ex-Vorständen Pflichtverletzungen beim Kauf der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria vor und fordert 200 Mio. Euro Schadenersatz. Zum Auftakt des Prozesses am Dienstag hatten die Richter deutlich gemacht, dass sie den früheren Bankchef Werner Schmidt und Gribkowsky für möglicherweise schadensersatzpflichtig halten.

  • FTD.de, 20.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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