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FTD-Serie: Vor fünf Jahren – so begann die Krise

Im Spätsommer 2007 war "Subprime" für Insider bereits ein geflügeltes Wort. Das Desaster der Finanzkrise, zu dem die Ungleichgewichte im US-Immobilienmarkt führten, ahnten aber nur die wenigsten. Die FTD blickt fünf Jahre zurück.
Merken   Drucken   06.08.2012, 14:50 Schriftgröße: AAA

FTD-Serie "Die Banken vor 5 Jahren": Die Commerzbank vor dem Fall

Im Spätsommer 2007 strotzten die Commerzbank und ihr Chef Klaus-Peter Müller nur so vor Kraft. Es sollte das letzte Hurra vor dem großen Crash werden.

Commerzbank -Chef Klaus-Peter Müller platzt fast vor Stolz, als er am 9. August, einem Donnerstag, der Presse in Frankfurt erklärt, sein Haus werde im Gesamtjahr sein "bereits angehobenes Renditeziel von mehr als zwölf Prozent deutlich übertreffen".

Und Müller hat ja auch allen Grund zu strahlen: Die Commerzbank ist unangefochten die Nummer zwei in Deutschland, der Überschuss von 1,38 Mrd. Euro das beste Halbjahresergebnis der Konzerngeschichte. Ihre Aktie fängt sich nach dem Sturz von 37 auf 29 Euro langsam wieder.

Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank   Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank

Die Immobilienkrise in den USA? "Subprime ist für uns kein größeres Thema. Diese Krise wird uns nicht daran hindern, unsere Ziele überzuerfüllen", versichert Finanzvorstand Eric Strutz in einer Analystenkonferenz gleich mehrfach. Stolz ist die Commerzbank vor allem auf ihre neue Konzerntochter Eurohypo. Im Oktober 2005 hatte Müller der Deutschen Bank  sowie der Dresdner Bank deren Drittelanteile abgekauft und sich den Immobilien- und Staatsfinanzierer vollständig einverleibt.

Der Commerzbank-Chef steht im Zenit seiner Macht - wenn jetzt noch der ewige Dauerrivale Dresdner zu haben sein könnte, wäre sein Glück perfekt. Vorerst freilich liebäugelt Müller mit dem Kauf der Düsseldorfer IKB. Die hat sich, wie seit der Vorwoche bekannt ist, übelst mit faulen US-Häuserkrediten verzockt und ist ein milliardenteurer Stützungsfall. Ihre Mutter KfW sucht einen Käufer für die gefallene Tochter, und Müllers Finanzchef Strutz raunt den Analysten zu: "Für uns können sich neue Opportunitäten auftun", denn: "Subprime trifft uns nicht, aber es trifft andere."

Statt der IKB, die sich der US-Investor Lone Star einverleibt, sollte die Commerzbank gut ein Jahr später tatsächlich die Dresdner kaufen - zwei Wochen vor der Lehman-Pleite. Das Ende ist bekannt: Der Steuerzahler muss die Commerzbank auch wegen Müllers Großmannssucht retten, ihr Aktienkurs siecht heute bei weniger als 2 Euro herum, die Eurohypo wird abgewickelt.

Müller dagegen hat die Krise verblüffend gut überstanden: Als Commerzbank-Aufsichtsratschef und Vorsitzender der Corporate-Governance-Kommission gibt der joviale Rheinländer mehr denn je und mit Wonne den Doyen der deutschen Finanzbranche.

  • FTD.de, 06.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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