FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » JP Morgan - vom Markt bestraft
Merken   Drucken   21.05.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Milliardenverlust: JP Morgan - vom Markt bestraft

Leitartikel Soll die größte US-Bank zerschlagen werden? Die Größe einer Bank allein ist kein Makel. Der Fall zeigt aber, dass der Derivatehandel eine strengere Aufsicht braucht.

Fast könnte man meinen, vergangene Woche habe sich ein zweiter Fall Lehman Brothers ereignet, so schrill klingen derzeit die Bankenkritiker. Dass die US-Großbank JP Morgan einen Verlust von mehreren Milliarden Dollar einräumen musste, halten manche für einen Beleg, dass Großbanken zerschlagen gehören, mindestens.

Als wenn es damit besser würde. Dabei ist JP Morgan inzwischen bereits doppelt bestraft worden.

Eher noch als jeder Regulierer oder Strafverfolger haben nämlich die Märkte darauf scharf reagiert: Der Aktienkurs des Finanzinstituts brach zwischenzeitlich ein, Hedge-Fonds und andere Investoren wetten nun gegen die Bank, die versucht, ihre riesigen Positionen aufzulösen, und könnten damit die Verluste erhöhen. Das dürfte kein Anteilseigner der Bank einfach so ungerührt hinnehmen.

Darüber hinaus hat JP Morgan  auch noch drastisch an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Bankchef Jamie Dimon hat wie kaum ein anderer in den letzten Monaten gegen schärfere Regulierung agitiert. Und prominente Unterstützung gefunden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney geißelte etwa Obamas Regulierungsreform, den Dodd-Frank Act, als zu weitgehenden staatlichen Eingriff. Banker seien schon verantwortungsvoller und kompetenter darin als Beamte, Risiken zu erkennen und zu vermeiden. Die Wall Street hofft daher auf Romneys Wahlsieg und darauf, dass er dann sein Versprechen einlöst, Obamas Regulierung teilweise zurückzunehmen.

Kursinformationen und Charts
   [ %

Und dann verspekuliert diese Bank mal eben ein paar Milliarden. Und niemand will so recht die Verantwortung dafür übernehmen oder irgendetwas gewusst haben. Überregulierung ist offensichtlich nicht das größte Problem der Banken.

Große Risiken einzugehen ist kein Exklusivproblem von Großbanken. In kleineren Instituten können genauso gut einzelne Akteure große, aufgeblähte Positionen aufbauen - und deren Banken können das womöglich noch weniger kompensieren. Die Größe einer Bank allein ist daher kein Makel. Eine Zerschlagung löst das Problem daher nicht, sie splittet es allenfalls. Der Fall zeigt aber auch auf, wie wenig bei der Regulierung bislang passierte. Der Dodd-Frank Act hängt in der Bürokratie fest, erst ein Viertel der gut 1000 Seiten ist bislang umgesetzt worden. Insofern kann der Milliardenverlust etwas Sinnvolles bewegen: Er nimmt Regulierungskritikern wie Romney und den Republikanern die Argumente, sich weiter gegen Reformen zu stemmen - oder, schlimmer noch, sie nach dem Herbst zurückzunehmen.

Gerade der Derivatehandel muss vielmehr noch stärker unter Aufsicht gestellt werden, damit Risiken schneller erkannt werden können und nicht - wie bei JP Morgan - gefährlich lange unentdeckt bleiben.

14:02:48 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
  • Aus der FTD vom 21.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler