Im Internet kann man noch die Bilder ansehen. Peter Sands, wie er den Preis überreicht bekommt. Peter Sands, wie er seine Dankesrede hält. Glücklich blickt der Chef der britischen Bank Standard Chartered allerdings nicht drein. Die Wahl zum European Banker of the Year haben schließlich die wenigsten Preisträger unbeschadet überstanden.
Seit 1994 wird die Auszeichnung in Frankfurt vergeben. Hinter dem Preis steht Nader Maleki. Er ist so etwas wie der Zeremonienmeister des Finanzplatzes. Seine Vorzeigeveranstaltung ist jeden Herbst die European Finance Week. Gleich dahinter kommt der Banker des Jahres.
Im Laufe der Zeit hat sich die Auszeichnung allerdings zu einem Menetekel entwickelt. Wer sie erhält, hat vielleicht noch ein, zwei gute Jahre. Danach geht es bergab.
Vor allem die Liste der Preisträger zwischen 2003 und 2005 liest sich wie ein Who's Who gestürzter Finanzgrößen. Zunächst wird Fred Goodwin geehrt, der Chef der Royal Bank of Scotland , die später die größte Bankenpleite der britischen Geschichte hinlegen sollte. Dann kommt Rijkman Groenink, Chef der niederländischen ABN Amro , die bald nach der Auszeichnung geschluckt und aufgespalten wird. 2005 ist Peter Wuffli an der Reihe, der Vorstandsvorsitzende der Schweizer UBS , der nur zwei Jahre später wegen Milliardenverlusten am US-Immobilienmarkt zurücktritt.
2007, die Finanzkrise zieht herauf, besinnt sich die Jury aus europäischen Finanzjournalisten eines Besseren. Die Wahl fällt auf den Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Mit einem Notenbanker kann man nicht viel verkehrt machen. 2008 kürt man Jean-Claude Juncker, den Vorsitzenden der Euro -Gruppe. Ein Nichtbanker wird Banker des Jahres. Damit kann man gar nichts mehr falsch machen.
2009 folgt Josef Ackermann, der auf dem Höhepunkt seiner Macht als Chef der Deutschen Bank zu stehen scheint. Kurz nach der Ehrung Ende 2010 beginnt dann das unglückliche Ringen um seine Nachfolge.
Und schließlich also Peter Sands. Lange scheint es, als könne keine der vielen Krisen und Affären da draußen Standard Chartered etwas anhaben. Doch dann, vergangenen Herbst, bekommt Sands den Preis. Was er davon hat, weiß man seit Montag.
Ob all das für David Baron de Rothschild, der dieses Jahr geehrt wird, ein schlechtes Omen ist oder nicht: Der Vorsitzende der Privatbank Rothschild wird bald 70 und dürfte also entspannt sein.