Die Schweizer Privatbank Julius Bär übernimmt von der Bank of-America-Tochter Merrill Lynch deren Auslandsgeschäft in der Vermögensverwaltung. Julius Bär werden dadurch nach Ende einer zweijährigen Integrationsphase zwischen 57 und 72 Mrd. Franken verwaltete Vermögen zufließen, davon rund ein Drittel aus den Wachstumsmärkten. Vereinbart wurde nach Bär-Angaben vom Montag ein Transaktionspreis von 1,2 Prozent der transferierten Vermögen, womit höchstens 860 Mio. Franken (716 Mio. Euro) zu bezahlen wären. Reuters hatte am Freitagabend aus Kreisen erfahren, dass Julius Bär kurz vor dem Kauf der Sparte steht. Dabei geht es um die Verwaltung von Vermögen von rund 90 Mrd. Dollar von Kunden in Europa, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Asien.
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Um ihre Kapitalausstattung zu stärken, verkauft die Bank of America Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Hintergrund des drastischen Schrumpfkurses ist, dass sich das nach Bilanzsumme immer noch zweitgrößte US-Geldhaus langsamer von der Finanzkrise als die Konkurrenz. Das geht unter anderem auf Altlasten aus der Zeit vor den Turbulenzen zurück, die zu hohen Verlusten und teuren Rechststreitigkeiten geführt haben. Im Geschäft mit vermögenden Privatkunden ist die Bank of America zwar weltweit die Nummer eins. Außerhalb der USA ist es ihr aber nie gelungen, die Bedeutung und damit die Profitabilität des Heimatmarktes zu erreichen.
Für Julius Bär dürften bei dem Geschäft vor allem die Wachstumsmärkte Asien und Lateinamerika im Vordergrund stehen, nachdem sich die Privatbank aus den USA zurückgezogen hat und in Europa die Steuerstreitigkeiten noch nicht beigelegt sind. Zwar schlossen die Schweizer mit Deutschland einen Vergleich von 50 Mio. Euro, mit dem sämtliche Strafermittlungen beendet wurden.
Das Steuerabkommen, das von den Regierungen in Berlin und Bern ausgehandelt wurde, ist aber weiterhin hochumstritten und von den jeweiligen Parlamenten auch noch nicht verabschiedet worden. Die jüngsten Ankäufe von Steuer-CDs durch die Regierung des Bundeslands Nordrhein-Westfalen haben das Abkommen ins Wanken gebracht.
Aus Sicht von Experten macht der Käufer der Bank-of-America-Sparte ein gutes Geschäft. "Wir sind ganz unten, was die Marktbewertungen angeht, daher ist es der ideale Zeitpunkt, um Privatbankgeschäft zu erwerben", sagte Ray Soudah, Chef von Millenium Associates, einer Beratungsfirma für Bankenfusionen, der Nachrichtenagentur Bloomberg, bevor der Abschluss des Geschäfts am Montag bekannt wurde. Ursprünglich hatten unter anderen auch die Schweizer Banken Credit Suisse und UBS , der US-Konkurrent Wells Fargo sowie die Royal Bank of Canada Interesse am Auslandsgeschäft von Merrill Lynch gezeigt.